
Das beste winterfeste Material ist nicht das teuerste, sondern jenes, dessen spezifische Schwachstellen Sie kennen und akzeptieren.
- Ungepflegtes Teakholz ist keine Katastrophe, sondern eine bewusste Designentscheidung (silbergraue Patina).
- Bei Metallmöbeln ist nicht das Material, sondern der erste Kratzer im Lack der entscheidende Schwachpunkt, der über Rost oder unschöne „Blüten“ entscheidet.
- Günstige Abdeckplanen schützen nicht, sondern schaffen durch einen „Terrarium-Effekt“ das ideale Klima für Schimmel.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich weniger auf Werbeversprechen und mehr auf die Qualität der „unsichtbaren“ Details wie Schrauben, Schweissnähte und die Dichte des Geflechts.
Der erste Frost kündigt sich an und die jährliche Frage für Gartenbesitzer mit begrenztem Stauraum stellt sich mit unerbittlicher Dringlichkeit: Wohin mit den Gartenmöbeln? Keller, Garage und Dachboden sind bereits voll. Die verlockende Antwort der Hersteller lautet oft: „Unsere Möbel sind absolut winterfest!“ Doch diese Aussage ist nur die halbe Wahrheit. Der wahre Härtetest für ein Material findet nicht im Hochglanzkatalog, sondern allein gelassen bei Eis, Schnee und feuchter Kälte statt.
Die üblichen Ratschläge – einlagern oder abdecken – gehen an der Realität vieler vorbei. Was passiert wirklich, wenn man die Möbel einfach draussen stehen lässt? Wenn das Öl für das Teakholz im Schrank bleibt und die billige Baumarktplane mehr schadet als nützt? Die Wahrheit liegt oft im Detail: in der Art der Schraube, die nach einem Winter rostet, in der chemischen Zusammensetzung des Polyrattans, das spröde wird, oder in dem unsichtbaren Prozess, der unter einer Lackschicht beginnt, sobald der erste Kratzer die Schutzbarriere durchbricht.
Dieser Artikel ist kein weiterer allgemeiner Pflegeratgeber. Er ist ein schonungsloser Material-Check aus der Praxis. Wir nehmen die gängigsten Materialien unter die Lupe und decken ihre wahren Schwachstellen auf, die erst nach monatelanger Witterung zum Vorschein kommen. Anstatt pauschale Empfehlungen auszusprechen, geben wir Ihnen das Rüstzeug, um eine informierte Entscheidung zu treffen: Welche „Materialermüdung“ können und wollen Sie in Kauf nehmen und welche nicht? Denn das perfekte winterfeste Möbelstück ist nicht das, das keine Schwächen hat, sondern das, dessen Schwächen zu Ihrem Lebensstil und Ihrer Pflegestrategie passen.
Um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten, beleuchten wir in den folgenden Abschnitten die spezifischen Reaktionen der einzelnen Materialien auf die winterlichen Bedingungen. Von der natürlichen Verwandlung von Holz bis zu den verborgenen Gefahren bei Metall und Kunststoff – hier finden Sie alle Details.
Inhaltsverzeichnis: Der grosse Winter-Check für Gartenmöbel-Materialien
- Patina zulassen oder ölen: Was passiert, wenn Sie Teakholz nicht pflegen?
- Aluminium vs. beschichteter Stahl: Was blüht auf, wenn der Lack einen Kratzer hat?
- Warum schimmeln Ihre Möbel unter der billigen Plastikplane?
- Wie bekommen Sie Sonnencreme-Flecken aus dem Gewebe der Liege?
- Warum wackelt der Tisch nach dem Winter und welche Schrauben rosten nicht?
- Wie pflegen Sie Mahagoni oder Teak, damit es nach 10 Jahren noch neu aussieht?
- Ist Bambus wirklich nachhaltiger, wenn er aus China importiert wird?
- Woran erkennen Sie billiges Polyrattan, das nach zwei Sommern brüchig wird?
Patina zulassen oder ölen: Was passiert, wenn Sie Teakholz nicht pflegen?
Die Vorstellung, wertvolles Teakholz „verwittern“ zu lassen, klingt für viele nach Vernachlässigung. In Wahrheit ist es eine bewusste Entscheidung für eine bestimmte Ästhetik. Wenn Sie Teakholz nicht ölen, passiert nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Das Holz schützt sich selbst. Die oberste Schicht reagiert mit UV-Licht und Feuchtigkeit und bildet eine charakteristische silbergraue Patina. Dieser Prozess ist rein oberflächlich und beeinträchtigt die Stabilität oder Langlebigkeit des Holzes in keiner Weise. Der hohe natürliche Öl- und Kautschukanteil im Teak wirkt wie eine Imprägnierung von innen und macht das Holz extrem widerstandsfähig gegen Fäulnis und Schädlinge.
Die Entscheidung lautet also nicht „Pflege vs. keine Pflege“, sondern „honigbraune Optik vs. silbergraue Patina“. Wer den warmen Holzton erhalten will, muss konsequent sein. Laut Teakholz-Experten muss die Öl-Behandlung je nach Witterung zwei- bis dreimal pro Jahr wiederholt werden. Wird dies versäumt, entsteht eine ungleichmässige, fleckige Oberfläche, da das Öl unregelmässig ausgewaschen wird. Die „Patina-Strategie“ ist hingegen die pflegeleichteste Option: Ausser einer jährlichen Reinigung im Frühjahr mit einer Wurzelbürste und milder Seifenlauge, um Algen oder Schmutz zu entfernen, ist keine weitere Behandlung nötig.
Die visuelle Gegenüberstellung macht die Entscheidung leichter. Die honiggoldene Farbe des frisch geölten Holzes wirkt warm und edel, während die silbergraue Patina eine ruhige, natürliche und moderne Ästhetik ausstrahlt, die sich harmonisch in viele Gartengestaltungen einfügt.

Wie die Makroaufnahme zeigt, ist die Patinierung ein rein ästhetischer Prozess. Die Holzstruktur bleibt intakt. Die Wahl für oder gegen das Ölen ist somit eine reine Geschmacksfrage und eine Abwägung zwischen Arbeitsaufwand und gewünschter Optik. Wer wenig Zeit investieren möchte und eine natürliche, sich verändernde Optik schätzt, trifft mit der bewussten Zulassung der Patina die richtige und langfristig einfachste Wahl.
Aluminium vs. beschichteter Stahl: Was blüht auf, wenn der Lack einen Kratzer hat?
Auf den ersten Blick wirken pulverbeschichteter Stahl und Aluminium im Winter fast identisch: robust, modern und pflegeleicht. Ihr wahres Gesicht zeigen sie jedoch erst, wenn die schützende Lackschicht verletzt wird. Ein unachtsamer Moment mit dem Blumentopf, ein Kratzer durch die spielenden Kinder – und schon ist der Korrosionsherd geschaffen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Beschichteter Stahl, insbesondere wenn er nicht verzinkt ist, beginnt an dieser Stelle zu rosten. Zuerst unscheinbar, frisst sich der braune Rotrost unter den Lack und lässt ihn schliesslich abplatzen. Die Stabilität ist gefährdet.
Aluminium hingegen rostet nicht im klassischen Sinne. Es bildet bei Kontakt mit Sauerstoff eine hauchdünne, aber sehr widerstandsfähige Oxidschicht, die das darunterliegende Material sofort schützt. Wird diese Schicht verletzt, bildet sie sich von selbst neu. Problematisch wird es erst unter bestimmten Bedingungen, wie in der folgenden Tabelle dargestellt. Besonders die sogenannte Filiformkorrosion kann bei Aluminium unter der Lackschicht fadenförmige „Blüten“ treiben, die zwar die Stabilität kaum beeinträchtigen, aber unschön aussehen.
Diese Übersicht, basierend auf einer detaillierten Analyse von Korrosionsarten, zeigt die unterschiedlichen Schwachstellen der Materialien bei Beschädigung der Oberfläche.
| Korrosionsart | Aluminium | Beschichteter Stahl |
|---|---|---|
| Filiformkorrosion | Fadenförmige Strukturen unter Lack | Selten, nur bei Beschichtungsfehlern |
| Lochfrass | Bei pH unter 4,5 oder über 8,5 | Hauptsächlich Rotrost an Kratzern |
| Kontaktkorrosion | Mit Edelstahl kritisch | Mit Aluminium unkritisch |
| Schutzmassnahme | Eloxierung, Pulverbeschichtung | Verzinkung, Lackierung |
Für den Gartenbesitzer bedeutet das: Möbel aus Aluminium sind deutlich nachsichtiger bei kleinen Kratzern. Sie benötigen keine sofortige Ausbesserung, um strukturelle Schäden zu verhindern. Bei beschichtetem Stahl muss jeder noch so kleine Kratzer umgehend mit einem Lackstift versiegelt werden, um eine Unterrostung zu stoppen. Wer eine robuste, wartungsarme Lösung für den Winter sucht, die auch mal einen Stoss verzeiht, ist daher mit Aluminium klar im Vorteil.
Warum schimmeln Ihre Möbel unter der billigen Plastikplane?
Es ist ein gut gemeinter, aber oft fataler Fehler: Um die Gartenmöbel vor Regen und Schnee zu schützen, wird eine günstige, wasserdichte Plastikplane aus dem Baumarkt darüber geworfen. Das Ergebnis im Frühjahr ist oft ein Schock: Statt sauberer Möbel findet man Stockflecken und einen pelzigen, schwarzen Schimmelbelag. Der Grund dafür ist ein physikalisches Phänomen, das oft unterschätzt wird: der „Terrarium-Effekt“. Eine luftdichte Plane verhindert zwar, dass Regen von oben eindringt, aber sie sperrt auch die Feuchtigkeit ein, die von unten aus dem Boden aufsteigt und durch Tag-Nacht-Temperaturschwankungen als Kondenswasser an der Innenseite der Plane entsteht.
Diese Kombination aus stehender Nässe und fehlender Luftzirkulation schafft ein perfektes Mikroklima für das Wachstum von Schimmelpilzen. Holzmöbel beginnen zu modern, Metallteile können korrodieren und Polster fangen an, muffig zu riechen und sind oft nicht mehr zu retten. Der Schutzversuch hat das genaue Gegenteil bewirkt und die Möbel schneller ruiniert als das Wetter es getan hätte.
Praxisbeispiel: Der Terrarium-Effekt unter luftdichten Planen
Eine Untersuchung von Gartenexperten für den Ratgeber von Gartenhaus.com bestätigt dieses Phänomen. Unter versiegelten PVC-Planen stieg die Luftfeuchtigkeit an sonnigen Wintertagen auf über 90 %, was zur Bildung von Schwitzwasser führte. Dieses Wasser tropfte auf die Möbel und konnte nicht entweichen. Die Folge war ein massiver Befall mit Schimmelpilzen wie Aspergillus niger (Schwarzschimmel), besonders auf Holz- und Textiloberflächen. Im Gegensatz dazu blieben Möbel unter atmungsaktiven Schutzhauben mit integrierten Lüftungsschlitzen trocken und schimmelfrei. Die PU-Beschichtung dieser Hauben ist wasserdicht von aussen, aber dampfdurchlässig von innen, was den entscheidenden Unterschied macht.
Die Lösung ist also nicht, auf eine Abdeckung zu verzichten, sondern die richtige zu wählen. Hochwertige, atmungsaktive Abdeckhauben sind eine sinnvolle Investition. Sie sind zwar teurer als einfache Plastikplanen, verhindern aber zuverlässig die Bildung von Kondenswasser und Schimmel. Achten Sie auf Merkmale wie Lüftungsschlitze, eine wasserdampfdurchlässige Membran (z.B. PU-Beschichtung) und Befestigungsmöglichkeiten, damit die Haube bei Wind nicht wegfliegt, aber dennoch einen kleinen Spalt zum Boden lässt, um die Luftzirkulation zu gewährleisten.
Wie bekommen Sie Sonnencreme-Flecken aus dem Gewebe der Liege?
Nach einem entspannten Sommertag auf der Gartenliege folgt oft die unschöne Überraschung: gelbliche oder ölige Flecken auf den teuren Polsterauflagen. Verantwortlich dafür sind die UV-Filter in vielen Sonnencremes, insbesondere der Wirkstoff Avobenzon, der mit Wasser, Schweiss und Sonnenlicht eine chemische Reaktion eingeht und hartnäckige Verfärbungen auf Textilien hinterlässt. Diese Flecken einfach mit Wasser und Seife zu behandeln, führt oft zur Enttäuschung, da die öl- und wachsbasierten Bestandteile der Creme tief ins Gewebe eindringen. Die Reinigungsmethode muss daher exakt auf das Material des Bezugsstoffes abgestimmt sein.
Moderne Outdoor-Textilien wie Olefin, Acryl oder Polyester haben unterschiedliche Eigenschaften, die eine spezifische Behandlung erfordern. Während ein robustes Olefin-Gewebe auch mal einen lösungsmittelbasierten Reiniger verträgt, würde dieser ein empfindlicheres Polyester-Gewebe möglicherweise beschädigen. Eine sofortige Reaktion ist immer der beste Weg: Den frischen Fleck vorsichtig mit einem Tuch abtupfen (nicht reiben!) und dann gezielt behandeln. Die Hände auf dem folgenden Bild demonstrieren die sorgfältige Anwendung verschiedener Reinigungsmethoden auf unterschiedlichen Stoffen.

Für eine erfolgreiche Fleckenentfernung sollten Sie folgende materialspezifische Ansätze verfolgen:
- Olefin-Gewebe: Da dieses Material sehr unempfindlich und wasserfest ist, können hier lösungsmittelbasierte Reiniger oder spezielle Fleckenentferner für ölige Rückstände verwendet werden.
- Acryl-Gewebe (z.B. Sunbrella): Behandeln Sie den Fleck mit einer milden Seifenlauge und einer weichen Bürste. Vermeiden Sie aggressive Chemikalien und Hochdruckreiniger, da diese die Imprägnierung beschädigen können.
- Polyester: Hier sind spezielle UV-Filter-Entferner aus dem Fachhandel die sicherste Wahl. Alternativ kann man den Fleck vorsichtig mit reinem Alkohol oder Aceton betupfen.
Die beste Strategie ist jedoch die Prävention. Achten Sie beim Kauf von Sonnencreme auf den Hinweis „non-staining“ oder „kleidungsfreundlich“ und meiden Sie Produkte mit einem hohen Anteil an Avobenzon. Das schont nicht nur die Nerven, sondern auch die wertvollen Bezüge Ihrer Gartenmöbel.
Warum wackelt der Tisch nach dem Winter und welche Schrauben rosten nicht?
Es ist ein frustrierendes Phänomen: Im Herbst stand der Gartentisch noch felsenfest, im Frühjahr wackelt er bedenklich. Der Schuldige ist oft nicht eine schlechte Montage, sondern die Physik. Materialien wie Holz und Metall dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen. Ein Temperaturunterschied von 40°C (z.B. von +20°C im Spätsommer zu -20°C im tiefsten Winter) führt beispielsweise zu einer Längenänderung bei Aluminium von bis zu 2-5 mm pro Meter. Diese ständigen, minimalen Bewegungen belasten die Verbindungsstellen und können dazu führen, dass sich Schrauben mit der Zeit lockern. Ein einfaches Nachziehen der Schrauben im Frühjahr behebt dieses Problem meistens.
Viel gravierender ist jedoch ein Problem, das im Verborgenen liegt: die Schrauben selbst. Viele Hersteller sparen an dieser unsichtbaren, aber entscheidenden Komponente. Standard-Schrauben aus verzinktem Stahl oder minderwertigem Edelstahl (oft als „rostfrei“ beworben) sind der Witterung auf Dauer nicht gewachsen. Sobald die dünne Schutzschicht beschädigt ist, beginnen sie zu rosten. Der Rost zerfrisst nicht nur die Schraube, sondern greift auch das umliegende Material an und hinterlässt unschöne Rostfahnen auf Holz oder Steinplatten. Die Verbindung verliert an Stabilität und im schlimmsten Fall bricht die Schraube.
Praxistest: V2A- vs. V4A-Edelstahlschrauben in Küstennähe
Ein Langzeittest hat gezeigt, dass selbst Standard-Edelstahlschrauben der Güteklasse V2A (Werkstoff 1.4301) in salzhaltiger oder stark saurer Umgebung (z.B. in Küstennähe oder am Pool) nach wenigen Jahren Anzeichen von Korrosion zeigen. Im Gegensatz dazu blieben Schrauben aus V4A-Edelstahl (Werkstoff 1.4401 oder 1.4571), der durch einen Molybdän-Zusatz säure- und seewasserbeständig ist, auch nach einem Jahrzehnt völlig rostfrei. Der Mehrpreis von ca. 30 % für V4A-Schrauben amortisiert sich durch die eingesparten Reparaturkosten und den Erhalt der Möbelstabilität bereits nach kurzer Zeit.
Beim Kauf von Gartenmöbeln lohnt sich daher ein genauer Blick auf die Schrauben. Fragen Sie explizit nach der verwendeten Edelstahlqualität. Hochwertige Hersteller geben dies oft an. Wenn Ihre Möbel nach dem Winter wackeln, prüfen Sie nicht nur den Sitz der Schrauben, sondern auch deren Zustand. Ein Austausch rostiger Schrauben gegen hochwertige V4A-Modelle ist eine kleine Investition, die die Lebensdauer und Sicherheit Ihrer Gartenmöbel entscheidend verlängert.
Wie pflegen Sie Mahagoni oder Teak, damit es nach 10 Jahren noch neu aussieht?
Der Wunsch, ein hochwertiges Möbelstück aus Edelholz wie Mahagoni oder Teak über ein Jahrzehnt hinweg im Neuzustand zu erhalten, ist verständlich, aber in der Realität eine Illusion. Holz ist ein lebendiges Material, das auf seine Umgebung reagiert. Sonne, Regen und Luftfeuchtigkeit verändern unweigerlich seine Farbe und Oberflächenstruktur. Ein Kampf gegen diesen natürlichen Alterungsprozess ist nicht nur aufwändig, sondern auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt. Ein weiserer Ansatz ist eine Strategie des kontrollierten Alterns.
Diese Perspektive wird von vielen Experten geteilt. Anstatt krampfhaft zu versuchen, den Auslieferungszustand zu konservieren, sollte man die natürliche Schönheit der Alterung annehmen und lenken. Der renommierte Teakholz-Spezialist Kai Wiechmann bringt es auf den Punkt:
Der Mythos des ‚ewig Neuen‘ ist zum Scheitern verurteilt. Eine Strategie des kontrollierten Alterns ist nachhaltiger und ästhetischer.
– Kai Wiechmann, Ratgeber Teakholzpflege
Was bedeutet „kontrolliertes Altern“ in der Praxis? Es bedeutet, sich von der Vorstellung des Ölens als einzige Pflegemethode zu lösen. Wie bereits besprochen, führt das Ölen zu einem hohen, wiederkehrenden Aufwand und bei Vernachlässigung zu einer fleckigen Optik. Die nachhaltigste Pflege für Teak und ähnliche Harthölzer besteht darin, die Entstehung der silbergrauen Patina zuzulassen. Diese Patina ist der natürliche Schutzschild des Holzes. Die „Pflege“ beschränkt sich dann auf eine einfache jährliche Reinigung im Frühjahr, um Schmutz und Grünbelag zu entfernen. Hierfür genügt eine Wurzelbürste und eine Lauge aus Wasser und Kern- oder Teakseife. So behält das Holz über Jahrzehnte seine Substanz und entwickelt eine edle, zeitlose Optik, die seine Geschichte erzählt, anstatt sie zu verleugnen.
Der Versuch, die Uhr zurückzudrehen, indem man eine bereits entstandene Patina mit aggressiven „Entgrauern“ chemisch entfernt oder abschleift, ist nur eine kurzfristige Lösung. Die Patina wird innerhalb der nächsten Saison unweigerlich zurückkehren. Akzeptanz und eine sanfte Reinigung sind der Schlüssel zu Möbeln, die nach 10 Jahren nicht mehr „neu“, sondern „charaktervoll“ und „würdevoll gealtert“ aussehen.
Ist Bambus wirklich nachhaltiger, wenn er aus China importiert wird?
Bambus wird als ökologische Wunderwaffe im Möbelbau gefeiert: Er wächst extrem schnell, bindet viel CO₂ und ist hart wie Eichenholz. Doch der grüne Schein trügt, sobald man die gesamte Lieferkette betrachtet. Der Grossteil des für Möbel verwendeten Bambus stammt aus China. Der Transport über 12.000 Kilometer per Containerschiff hinterlässt einen erheblichen CO₂-Fussabdruck, der die positive Klimabilanz des Rohstoffs stark relativiert. Die Nachhaltigkeit eines Materials endet nicht am Werkstor, sondern muss über den gesamten Lebenszyklus bewertet werden.
Zudem ist „Bambus“ nicht gleich „Bambus“. Für die Herstellung von Möbelplatten werden Bambusstreifen unter hohem Druck verleimt. Der Anteil an Klebstoffen, oft Phenolharze, kann bis zu 15 % betragen. Diese chemischen Bindemittel und der hohe Energieaufwand bei der Verarbeitung stellen die ökologische Unbedenklichkeit weiter in Frage. Ein aktueller Trend zeigt daher weg vom importierten Bambus und hin zu heimischen Alternativen.
Ökobilanz-Vergleich: Import-Bambus vs. heimische Thermoesche
Eine Analyse im Rahmen der Gartentrends 2024, wie sie beispielsweise von Branchenkennern wie Möbel Graf beobachtet wird, kommt zu einem klaren Ergebnis: Thermisch behandelte heimische Hölzer wie Thermoesche oder Thermokiefer weisen oft eine bessere Gesamt-Ökobilanz auf als importierter Bambus. Bei der thermischen Modifikation wird das Holz lediglich mit Hitze und Wasserdampf behandelt, um seine Dauerhaftigkeit zu erhöhen – ganz ohne Chemie. Der Wegfall der langen Transportwege und die Nutzung von Holz aus nachhaltig bewirtschafteten, FSC-zertifizierten Wäldern machen diese lokalen Alternativen zu einer überlegenen Wahl für umweltbewusste Verbraucher.
Auch innerhalb des Bambus-Sortiments gibt es qualitative und ökologische Unterschiede, wie die folgende Tabelle zeigt. Karbonisierter, also wärmebehandelter Bambus ist zwar witterungsbeständiger, aber auch weicher und erfordert einen noch höheren Klebstoffanteil.
| Eigenschaft | Karbonisierter Bambus | Natürlicher Bambus |
|---|---|---|
| Farbe | Dunkelbraun | Hellgelb |
| Härte | 20% reduziert | Maximal |
| Witterungsbeständigkeit | Besser | Anfälliger |
| Klebstoffanteil | Höher (bis 15%) | Standard (8-10%) |
| Preis | 20-30% teurer | Basis |
Die Entscheidung für Bambus sollte also kritisch hinterfragt werden. Wenn Nachhaltigkeit ein zentrales Kaufkriterium ist, sind zertifizierte, thermisch behandelte Hölzer aus der Region oft die ehrlichere und ökologisch sinnvollere Alternative.
Das Wichtigste in Kürze
- Akzeptanz statt Kampf: Die silbergraue Patina bei Teak ist kein Makel, sondern die pflegeleichteste und eine ästhetisch valide Option für den Winter.
- Der Kratzer entscheidet: Bei Metallmöbeln ist nicht das Grundmaterial, sondern die Robustheit der Beschichtung und die Reaktion auf Verletzungen der entscheidende Faktor für die Langlebigkeit.
- Qualität liegt im Detail: Die Winterfestigkeit eines Möbelstücks wird oft durch unsichtbare Komponenten wie Schrauben (V4A-Edelstahl ist der Goldstandard) und die Atmungsaktivität der Abdeckung bestimmt, nicht durch den Preis allein.
Woran erkennen Sie billiges Polyrattan, das nach zwei Sommern brüchig wird?
Polyrattan-Möbel versprechen die gemütliche Optik von Naturrattan bei deutlich höherer Witterungsbeständigkeit. Doch der Markt ist überschwemmt mit Billigprodukten, die dieses Versprechen nicht halten. Der Unterschied zwischen hochwertigem und minderwertigem Polyrattan wird oft erst nach ein oder zwei Wintern schmerzlich sichtbar: Das Geflecht wird spröde, bricht und löst sich auf. Der Grund liegt in der Qualität des verwendeten Kunststoffs. Günstige Möbel bestehen oft aus Recycling-Material, dem die für die UV-Beständigkeit und Elastizität notwendigen Additive fehlen. Kälte und Sonneneinstrahlung zersetzen den Kunststoff rapide.
Hochwertiges Polyrattan hingegen wird aus „Virgin-PE“ (fabrikneues Polyethylen) hergestellt. Es ist durchgefärbt, extrem reissfest, unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen von -20°C bis +50°C und UV-stabilisiert. Der Unterschied in der Haltbarkeit ist enorm: Während Billig-Rattan oft schon nach 2-3 Jahren brüchig wird, kann hochwertiges Virgin-PE Polyrattan eine Lebensdauer von 10 Jahren und mehr erreichen. Doch wie erkennt man die Qualität vor dem Kauf? Es gibt einige einfache Tests und Merkmale, die Aufschluss geben.
Anstatt sich auf Werbeaussagen zu verlassen, können Sie mit ein paar gezielten Handgriffen selbst zum Materialprüfer werden. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen und eine Investition zu tätigen, die sich über viele Jahre auszahlt, anstatt nach kurzer Zeit zum Ärgernis zu werden.
Ihr Plan zur Qualitätsprüfung: Polyrattan-Möbel testen
- Fingernagel-Test durchführen: Drücken Sie mit dem Fingernagel fest in eine Faser. Hochwertiges Material ist elastisch und federt sofort ohne bleibende Delle zurück. Billiges Material ist hart und spröde.
- Farb- und Oberflächenkontrolle: Untersuchen Sie das Geflecht bei gutem Licht. Virgin-PE hat eine absolut gleichmässige Farbe. Wirkt das Material leicht fleckig oder marmoriert, ist das ein Hinweis auf Recycling-Granulat.
- Faserdicke und -form prüfen: Tasten Sie das Geflecht ab. Dickere Rundfasern (über 3 mm) sind in der Regel langlebiger und stabiler als flache, dünne Bänder, die leichter brechen.
- Flechtdichte bewerten: Schauen Sie sich das Geflecht genau an. Ist es sehr eng und straff geflochten? Eine hohe Dichte deutet auf mehr Materialeinsatz und eine sorgfältigere Verarbeitung hin, was ein klares Qualitätsmerkmal ist.
- Gewichtstest machen: Heben Sie eine Ecke des Möbelstücks an. Schwerere Möbel haben oft einen stabileren Rahmen und es wurden dickere, also haltbarere und schwerere, Kunststofffasern verwendet. Leichtigkeit ist hier kein Vorteil.
Indem Sie diese Punkte beim Kauf berücksichtigen, schützen Sie sich vor einem teuren Fehlkauf. Ein höherer Anschaffungspreis für Qualitäts-Polyrattan ist auf lange Sicht die weitaus günstigere und nachhaltigere Lösung. Denn das winterfesteste Möbel ist jenes, das man nicht nach zwei Jahren ersetzen muss.
Häufig gestellte Fragen zur Pflege von Gartenmöbeln aus Holz
Sollte man Teakholz im Winter abdecken?
Nein! Durch Abdeckungen können Stockflecken und Schimmel entstehen. Teakholz ist ein extrem witterungsbeständiges Hartholz und verträgt Frost und Schnee problemlos. Eine gute Luftzirkulation ist für das Holz wichtiger als der Schutz vor Niederschlag.
Wie oft muss geöltes Holz nachbehandelt werden?
Das hängt stark vom Standort ab. Stehen die Möbel unter einem Dach, reicht oft eine Behandlung pro Jahr. Im Freien wird das Öl durch Regen schneller ausgewaschen. Um eine gleichmässige Optik zu erhalten, ist hier eine Behandlung im Frühjahr und Herbst ratsam, sonst werden die Möbel fleckig.
Kann man die graue Patina rückgängig machen?
Ja, die silbergraue Patina ist nur oberflächlich. Sie kann durch leichtes Abschleifen oder die Verwendung eines speziellen „Teak-Entgrauers“ entfernt werden, um den ursprünglichen honigbraunen Farbton wiederherzustellen. Beachten Sie jedoch, dass dies mit erheblichem Aufwand verbunden ist und die Patina sich bei erneuter Bewitterung innerhalb weniger Monate wieder bilden wird.