
Die schlechte Akustik in Ihrem Neubau ist kein Designfehler, sondern eine physikalische Konsequenz harter Oberflächen, die sich nicht durch Füllen, sondern durch gezieltes „Fangen“ von Schall lösen lässt.
- Textilien wie Vorhänge, Teppiche und sogar spezielle Akustikbilder sind strategische „Schallfallen“, die den Nachhall deutlich effektiver reduzieren als wahllose Möbel.
- Die richtige Platzierung ist entscheidend: Deckenabsorber verbessern die Sprachverständlichkeit, Eckabsorber kontrollieren dröhnende Bässe.
Empfehlung: Beginnen Sie mit einer grossen, absorbierenden Fläche (Teppich oder Vorhang), um die primären Reflexionen zu brechen, und ergänzen Sie dann gezielt unsichtbare Absorber an strategischen Punkten.
Sie haben es geschafft: Der minimalistische Wohntraum mit offenen Räumen, viel Glas und glattem Beton- oder Parkettboden ist Realität. Doch statt der erhofften Ruhe stellt sich ein unangenehmes Gefühl ein. Jedes Gespräch wird anstrengend, jeder Schritt hallt nach, und die Atmosphäre erinnert mehr an eine Bahnhofshalle als an ein gemütliches Zuhause. Dieses Phänomen ist der akustische Preis für modernes, puristisches Design. Harte, glatte Oberflächen werfen Schallwellen wie ein Gummiball zurück in den Raum, was zu einem langen, störenden Nachhall führt.
Der instinktive Ratschlag lautet oft, den Raum einfach mit mehr Möbeln, riesigen Bücherregalen und Dekoration vollzustellen. Doch das widerspricht fundamental der Idee eines minimalistischen Lebensstils. Die gute Nachricht ist: Sie müssen Ihr Designkonzept nicht opfern. Die Lösung liegt nicht im Volumen, sondern in der Physik. Es geht darum, Schallwellen nicht nur zu blockieren, sondern sie gezielt einzufangen und ihre Energie unschädlich zu machen. Und das effektivste Werkzeug dafür ist oft weich, flexibel und kann sogar unsichtbar sein: Textilien.
Dieser Artikel ist Ihr physikalisch fundierter Leitfaden, um den „Bahnhofs-Effekt“ zu besiegen. Wir tauchen ein in die Wissenschaft der Raumakustik und zeigen Ihnen, wie Sie mit strategisch platzierten Textilien – von Vorhängen über Teppiche bis hin zu clever versteckten Absorbern – eine Oase der Ruhe schaffen, ohne Ihren minimalistischen Stil zu kompromittieren. Wir werden die Effektivität verschiedener Materialien vergleichen, Ihnen zeigen, wie Sie Schallfallen unsichtbar integrieren und Ihnen sogar eine Anleitung an die Hand geben, um stilvolle Akustikpaneele selbst zu bauen.
Für alle, die eine visuelle und praktische Demonstration bevorzugen, bietet das folgende Video einen beeindruckenden Einblick in die Wirkung professioneller Akustikelemente. Es zeigt, wie sich ein Raumklang dramatisch verändern kann und ergänzt die hier vorgestellten Prinzipien perfekt.
Um die akustischen Herausforderungen Ihres Raumes strukturiert anzugehen, haben wir diesen Leitfaden in logische Abschnitte unterteilt. Der folgende Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir behandeln werden, von der grundlegenden Problemanalyse bis hin zu fortgeschrittenen DIY-Lösungen.
Sommaire: Ein praktischer Leitfaden zur Behebung von Hall in modernen Wohnräumen
- Das Hall-Problem in leeren Räumen: Was tun, wenn es wie in einer Turnhalle klingt?
- Was schluckt mehr Schall: Ein Bild an der Wand oder Stoff vor dem Fenster?
- Reicht ein Flachgewebe oder brauchen Sie Hochflor, um Schritte zu dämpfen?
- Wie reduzieren Sie den Hall zwischen Küche und Sofa mit Textilien?
- Wie verstecken Sie Absorber unter dem Esstisch oder hinter Bildern?
- Warum bringt der Absorber an der Decke mehr als in der Ecke?
- Wie nutzen Sie tote Ecken in einer L-förmigen Wohnung sinnvoll aus?
- Wie bauen Sie aus Holzlatten und Dämmwolle günstige und schicke Paneele selbst?
Das Hall-Problem in leeren Räumen: Was tun, wenn es wie in einer Turnhalle klingt?
Wenn ein Raum wie eine Turnhalle klingt, liegt das an einer zu langen Nachhallzeit. Schallwellen von Stimmen oder Schritten treffen auf harte Oberflächen (Wände, Boden, Decke, Fenster) und werden fast ungebremst zurückgeworfen. Dieses Echo-Feuerwerk überlagert sich und macht den Klang breiig und anstrengend. Der Zielwert für die Nachhallzeit in einem Wohnraum liegt bei angenehmen 0,5 bis 0,8 Sekunden. In einem leeren Neubau kann dieser Wert leicht 2 Sekunden oder mehr betragen.
Sie können dies einfach selbst testen: Laden Sie eine App wie „RT60“ oder „AudioTools“ auf Ihr Smartphone, stellen Sie sich in die Mitte des Raumes und klatschen Sie einmal kräftig in die Hände. Die App misst die Zeit, bis der Schallpegel um 60 Dezibel abgefallen ist – das ist Ihre Nachhallzeit. Der erste und wirkungsvollste Schritt zur Reduzierung dieses Wertes ist es, die grösste Reflexionsfläche zu unterbrechen: die zwischen Boden und Decke. Ein grosser, dicker Teppich, der mindestens 40 % der Bodenfläche bedeckt, kann die Nachhallzeit oft schon um bis zu 30 % senken.
Ein Forumsbeitrag über die akustische Sanierung eines Neubaus dokumentiert eindrucksvoll die Wirksamkeit schrittweiser Massnahmen. Allein die Kombination aus einem neuen Teppichboden und grossen textilen Lampenschirmen an den Deckenleuchten reduzierte die gefühlte Halligkeit um etwa 60 %. Dies zeigt, dass selbst unerwartete textile Elemente einen massiven Beitrag leisten können. Für Mietwohnungen, in denen keine permanenten Änderungen möglich sind, bieten sich mobile Akustikstellwände, schwere Vorhänge an Klemm-Gardinenschienen und grosse Polstermöbel als reversible Ersthelfer an.
Was schluckt mehr Schall: Ein Bild an der Wand oder Stoff vor dem Fenster?
Diese Frage ist entscheidend, denn die Antwort ist nicht intuitiv. Ein Standard-Leinwandbild auf einem Keilrahmen ist akustisch nahezu wirkungslos. Die gespannte Leinwand wirkt wie ein Trommelfell und reflektiert den Schall, ähnlich wie eine nackte Wand. Im Gegensatz dazu ist ein einfacher Vorhang bereits eine deutliche Verbesserung, doch die wahre Magie entfaltet sich erst mit dem richtigen Material und der richtigen Anbringung. Die Wirksamkeit eines Materials wird durch den Schallabsorptionsgrad Alpha (αw) gemessen. Ein Wert von 0 bedeutet totale Reflexion (wie bei Glas), ein Wert von 1.0 bedeutet totale Absorption.
Der Unterschied zwischen verschiedenen textilen Lösungen ist enorm, wie eine vergleichende Analyse der Absorptionsgrade zeigt. Während ein einfacher Leinenvorhang einen mässigen Wert von 0.3-0.4 erreicht, kann ein gefalteter Samtvorhang bereits auf 0.75 kommen. Ein professionelles Akustikbild, das hinter der bedruckten Leinwand einen speziellen Absorberkern verbirgt, erreicht Spitzenwerte von bis zu 0.95 und gehört damit zur höchsten Absorberklasse A.
| Material | Alpha-Wert (αw) | Absorberklasse | Wirksamkeit |
|---|---|---|---|
| Leinwandbild (ohne Absorber) | 0.05 | E | Sehr gering |
| Glasrahmen | 0.05 | E | Reflektierend |
| Leinenvorhang (einfach) | 0.30-0.40 | D | Niedrig |
| Samtvorhang (gefaltet) | 0.60-0.75 | C-B | Hoch |
| Akustikpanel mit bedruckter Leinwand | 0.80-0.95 | B-A | Sehr hoch |
Die Annahme, dass Akustiktextilien immer schwer und blickdicht sein müssen, ist mittlerweile überholt. Technologische Innovationen ermöglichen beeindruckende Ergebnisse selbst mit leichten Materialien. Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung transparenter Akustikstoffe wie Sigmacoustic von Creation Baumann. Trotz seiner leichten und durchsichtigen Beschaffenheit erreicht dieser Stoff einen Schallabsorptionsgrad von αw 0.60. Das beweist, dass moderne textile Lösungen Ästhetik und akustische Funktion verbinden können, ohne den Raum zu verdunkeln.
Reicht ein Flachgewebe oder brauchen Sie Hochflor, um Schritte zu dämpfen?
Bei Teppichen müssen wir zwei Arten von Schall unterscheiden: Luftschall (Stimmen, Musik) und Trittschall (Schritte, fallende Gegenstände). Ein einfacher Flachgewebeteppich aus Sisal oder Baumwolle absorbiert bereits einen Teil des Luftschalls, besonders in den hohen Frequenzen. Um jedoch den dumpfen Trittschall effektiv zu dämpfen, der sich durch die Bausubstanz überträgt, braucht es mehr Masse und vor allem Volumen. Ein Hochflorteppich ist hier klar im Vorteil. Seine langen Fasern schaffen ein dickes, poröses Polster, in dem sich die Schallenergie durch Reibung in Wärme umwandelt.
Eine noch effektivere und gestalterisch anspruchsvollere Methode ist die textile Schichtung. Hierbei werden Teppiche unterschiedlicher Dichte und Textur übereinandergelegt. Diese Technik schafft nicht nur optische Tiefe, sondern auch akustische Effizienz. Die Luftschichten, die zwischen den Teppichen eingeschlossen werden, wirken als zusätzlicher Puffer und Dämpfer für Luft- und Trittschall. Eine Kombination aus einer robusten Flachgewebebasis (z. B. Sisal) und einem weicheren, hochflorigen Wollteppich darüber ist eine klassische und hochwirksame Lösung.

Wie die Abbildung andeutet, liegt der Schlüssel in der Variation der Faserdichte und der Lufteinschlüsse. Die unterschiedlichen Florhöhen und Materialien brechen die Schallwellen auf unterschiedlichen Ebenen und verhindern, dass sie den harten Boden darunter erreichen und von dort reflektiert werden. Für eine maximale Trittschalldämmung empfiehlt es sich zudem, unter der untersten Teppichschicht eine spezielle Akustik-Filzunterlage zu verlegen. Diese entkoppelt den Teppich vom Boden und absorbiert die Aufprallenergie direkt an der Quelle.
Wie reduzieren Sie den Hall zwischen Küche und Sofa mit Textilien?
In offenen Wohnkonzepten ist die grösste Herausforderung, die unterschiedlichen Geräuschkulissen von Koch- und Wohnbereich voneinander zu trennen. Harte Küchenoberflächen (Arbeitsplatten, Fliesen, Schrankfronten) werfen den Schall von klapperndem Geschirr und Küchengeräten direkt in den gemütlichen Sofabereich. Hier geht es darum, akustische Zonen zu schaffen, ohne die offene Atmosphäre zu zerstören. Flexible textile Raumteiler sind dafür ideal. Japanische Schiebegardinen (Flächenvorhänge) aus einem Akustikstoff mit einem αw-Wert von 0.60 können bei Bedarf zwischen Küche und Wohnzimmer gezogen werden und wirken als mobile Schallmauer.
Eine weitere, sehr effektive Strategie ist es, den Schall direkt an der Quelle zu absorbieren. Ein grosses Akustikbild (z. B. im Format 120×80 cm) mit einem passenden Motiv wie Kräutern oder Lebensmitteln, das direkt über der Küchenarbeitsplatte an der Wand montiert wird, schluckt einen Grossteil der Kochgeräusche, bevor sie sich im Raum ausbreiten können. Auch die Wahl der Möbel spielt eine Rolle. Barhocker mit einem Bezug aus Bouclé oder Cordstoff statt glattem Leder oder Kunststoff können die Schallreflexionen im Küchenbereich bereits spürbar reduzieren.
Als Faustregel empfehlen Raumakustik-Experten, in offenen Wohnbereichen mindestens 15-25% der gesamten Wand- und Deckenfläche absorbierend zu gestalten, um eine gute Sprachverständlichkeit zu gewährleisten. Manchmal sind es auch subtile Lösungen, die einen grossen Unterschied machen. Strategisch von der Decke abgehängte Fadenvorhänge können als Diffusoren dienen: Sie blockieren nicht die Sicht und das Licht, aber ihre unzähligen Fäden brechen die Schallwellen und streuen sie in verschiedene Richtungen, was den direkten Schallweg von der Küche zum Sofa stört und den Hall angenehm weicher macht.
Wie verstecken Sie Absorber unter dem Esstisch oder hinter Bildern?
Für Puristen, bei denen selbst ein Akustikbild an der Wand zu viel ist, gibt es die Möglichkeit der unsichtbaren Absorption. Die grössten ungenutzten Flächen in einem Raum sind oft horizontal – unter Tischen oder Stühlen. Ein grosser Esstisch bietet eine perfekte Gelegenheit, mehrere Quadratmeter hochwirksamen Absorbers zu verstecken. Indem man eine 2-3 cm dicke Platte aus speziellem Akustikschaumstoff wie Basotect unter die Tischplatte klebt, schafft man eine riesige Schallfalle, die besonders die Reflexionen zwischen Boden und Tischplatte neutralisiert.
Auch die Stühle um den Tisch können zu einem Teil der Lösung werden. Statt harter Sitzschalen sollten Modelle mit Polsterung gewählt werden. Zusätzlich kann man Akustikfilz mit einer Dicke von 3-5 mm unter die Sitzflächen kleben. Bei sechs bis acht Stühlen ergibt das schnell eine zusätzliche Absorptionsfläche von zwei bis drei Quadratmetern, die den Schall genau dort dämpft, wo die Gespräche stattfinden. Die effektivste, aber auch aufwendigste Methode, um Kunst und Akustik zu verbinden, ist der Bau eines Akustikbildes mit Schattenfugenrahmen. Wie eine Lösung eines deutschen Herstellers zeigt, werden hierbei tiefe Rahmen (bis 12 cm) mit Dämmmaterial gefüllt und mit einem schalldurchlässigen Stoff bespannt. So wird das Kunstwerk selbst zum Hochleistungsabsorber.
Ihr Plan für unsichtbare Absorber: Eine praktische Checkliste
- Material beschaffen: Besorgen Sie Basotect-Schaumstoff (2-3 cm dick) für maximale Absorption oder dicken Akustikfilz (5 mm) für eine einfachere Lösung.
- Tischplatte präparieren: Reinigen Sie die Unterseite Ihrer Tischplatte. Kleben Sie den Schaumstoff mit doppelseitigem Montageband fest und decken Sie dabei mindestens 70 % der Fläche ab.
- Stühle aufrüsten: Schneiden Sie Akustikfilz passend für die Unterseite der Sitzflächen Ihrer Stühle zu und befestigen Sie ihn ebenfalls mit Klebeband oder einem Tacker.
- Akustikbild prüfen: Falls Sie ein Leinwandbild haben, prüfen Sie, ob Sie einen Rahmen mit 5-7 cm Tiefe dahinter konstruieren können, um diesen mit Steinwolle oder Akustikschaum zu füllen.
- Wirkung testen: Führen Sie erneut den Klatsch-Test mit einer App durch. Vergleichen Sie die Nachhallzeit vor und nach der Installation der unsichtbaren Absorber.
Diese versteckten Massnahmen sind die Geheimwaffe für akustisch optimierte, minimalistische Räume. Sie wirken genau dort, wo sie gebraucht werden, ohne die visuelle Ästhetik zu stören, und demonstrieren, dass gute Akustik eine Frage der cleveren Strategie ist, nicht der sichtbaren Masse.
Warum bringt der Absorber an der Decke mehr als in der Ecke?
Die Platzierung eines Absorbers ist oft wichtiger als seine absolute Grösse. Um zu verstehen, warum die Decke eine so kritische Position ist, muss man das Konzept der Erstreflexionspunkte kennen. Das sind die Stellen an Wänden, Decke und Boden, an denen der Schall auf seinem direkten Weg von einer Schallquelle (z. B. dem Mund einer sprechenden Person) zum Ohr des Zuhörers einmal reflektiert wird. In den meisten Wohnräumen ist die Decke genau über dem Sitz- oder Essbereich ein solcher primärer Reflexionspunkt. Ein an dieser Stelle montierter Absorber fängt die störende erste Reflexion ab, bevor sie das Ohr erreicht. Dies führt zu einer dramatisch verbesserten Sprachverständlichkeit und Klarheit.
Die Wirksamkeit ist messbar: Professionelle Studiomessungen belegen, dass ein gut platzierter Deckenabsorber die Nachhallzeit im Raum um durchschnittlich 0,2 Sekunden reduzieren kann. Das mag nach wenig klingen, ist aber ein deutlich hörbarer Unterschied. Während die Decke also der Champion für die Mitten- und Hochtonfrequenzen (also Stimmen) ist, haben die Ecken eine andere, ebenso wichtige Spezialaufgabe.
Tiefe Frequenzen (Bässe von Musik oder Heimkinoanlagen) haben viel Energie und lange Wellenlängen. Sie breiten sich kugelförmig aus und neigen dazu, sich in den Ecken des Raumes zu stauen. Dies führt zu einem unangenehmen Dröhnen, das den Klang unpräzise macht. Ein Absorber in der Ecke wirkt hier als „Bassfalle“. Die Frage ist also nicht „Decke oder Ecke?“, sondern die richtige Kombination für ein ausgewogenes Klangbild, wie ein Experte treffend zusammenfasst:
Decke für Klarheit der Stimmen (Mitten/Höhen), Ecken für einen sauberen, nicht dröhnenden Bass – die richtige Strategie kombiniert beide Ansätze.
– Jonas Schira, Gerriets GmbH Acoustic Solutions
Für den typischen Wohnraum bedeutet das: Priorisieren Sie einen Absorber an der Decke über dem Sofa- oder Esstisch, um die Gespräche angenehmer zu machen. Wenn Sie zusätzlich eine hochwertige Musikanlage oder ein Heimkino betreiben, werden Bassfallen in den Ecken unverzichtbar für einen präzisen Klang.
Wie nutzen Sie tote Ecken in einer L-förmigen Wohnung sinnvoll aus?
L-förmige Wohnungen haben oft „tote Ecken“, die schwer zu möblieren sind und ungenutzt bleiben. Akustisch gesehen sind diese Ecken jedoch Gold wert. Wie wir gelernt haben, sind sie natürliche Sammelpunkte für tieffrequente Schallenergie. Anstatt sie zu ignorieren, kann man sie gezielt in akustische Oasen verwandeln und ihnen gleichzeitig eine neue Funktion geben. Ein Musikproduzent dokumentierte, wie er eine solche Ecke in seinem L-förmigen Studio durch die Installation von selbstgebauten Bassfallen (dreieckige Holzkonstruktionen, gefüllt mit Steinwolle) und einem dicken Hochflorteppich zum akustisch ruhigsten und präzisesten Hörplatz im ganzen Raum machte.
Was im Studio funktioniert, lässt sich auch elegant in den Wohnraum übertragen. Anstatt eine rein technische Bassfalle zu installieren, kann man die Funktion in ein Möbelstück integrieren. Die Ecke wird so nicht nur akustisch, sondern auch funktional aufgewertet. Ein Experte für Homestudio-Akustik bringt es auf den Punkt:
Ecken sind natürliche Bassfallen – genau hier sammeln sich tiefe Schallwellen. Eine massgefertigte Eckbank mit dicken, schallschluckenden Polstern nutzt diesen Effekt optimal aus.
– Matthias Basedow, Raumakustik-Kurs für Homestudios
Stellen Sie sich eine gemütliche, massgefertigte Eckbank mit einer 10-15 cm dicken, dichten Schaumstoffpolsterung und einem grob gewebten Stoffbezug vor. Dieses Möbelstück wird nicht nur zur perfekten Leseecke oder zum zusätzlichen Sitzplatz, sondern fungiert gleichzeitig als riesiger, hocheffektiver Breitband-Absorber. Er schluckt nicht nur die dröhnenden Bässe, die sich in der Ecke sammeln, sondern auch Mitten- und Hochtonanteile. Ergänzt durch ein paar dicke Kissen und eine Deckenleuchte mit Textilschirm, wird die ehemals „tote“ Ecke zum akustischen und visuellen Ankerpunkt des Raumes.
Das Wichtigste in Kürze
- Fokus auf Absorption: Statt Räume vollzustellen, nutzen Sie gezielt textile „Schallfallen“, um Schallenergie zu neutralisieren.
- Kombination ist entscheidend: Die effektivste Lösung kombiniert verschiedene Elemente wie Teppiche, Vorhänge und gezielt platzierte Paneele, um ein breites Frequenzspektrum abzudecken.
- Platzierung vor Grösse: Die Position eines Absorbers ist wichtiger als seine absolute Grösse. Decke für Sprachverständlichkeit, Ecken zur Basskontrolle.
Wie bauen Sie aus Holzlatten und Dämmwolle günstige und schicke Paneele selbst?
Wenn Sie eine massgeschneiderte und gleichzeitig kostengünstige Lösung suchen, ist der Selbstbau von Akustikpaneelen die beste Option. Mit einfachen Materialien aus dem Baumarkt können Sie hochwirksame Absorber herstellen, die sich perfekt in Ihr Designkonzept einfügen. Das Grundprinzip ist immer gleich: Ein Holzrahmen wird mit einem porösen Dämmmaterial gefüllt und anschliessend mit einem schalldurchlässigen Stoff bespannt. Die Wahl des Dämmmaterials ist dabei entscheidend für die Performance und den Preis.
Der Klassiker für DIY-Absorber ist Steinwolle, da sie eine exzellente Absorption bei niedrigem Preis bietet. Allerdings müssen bei der Verarbeitung Handschuhe und Atemschutz getragen werden, um Faserreizungen zu vermeiden. Nachhaltigere und gesundheitlich unbedenkliche Alternativen wie Holzfaser oder Hanf sind etwas teurer, aber einfacher zu handhaben. Basotect-Schaumstoff ist der leichteste und effektivste, aber auch der teuerste Werkstoff. Die folgende Tabelle aus einer detaillierten DIY-Anleitung gibt einen guten Überblick.
| Material | Preis/m² | Absorption | Gesundheit | Nachhaltigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Steinwolle | 8-12€ | Sehr gut | Faserschutz nötig | Mittel |
| Glasfaser | 25-30€ | 85% von Basotect | Faserschutz nötig | Mittel |
| Holzfaser | 15-20€ | Gut | Unbedenklich | Hoch |
| Hanf | 20-25€ | Gut | Unbedenklich | Sehr hoch |
| Basotect | 35-45€ | Exzellent | Unbedenklich | Mittel |
Das Design ist völlig flexibel. Sie können einfache quadratische oder rechteckige Rahmen bauen oder, wie in der Abbildung gezeigt, kreativere Formen wie Sechsecke wählen. Zu einer Wabenstruktur angeordnet und mit Stoffen in verschiedenen Erdtönen bezogen, werden die Paneele selbst zum Kunstwerk. Wichtig ist, als Bezug einen akustisch transparenten Stoff zu wählen. Testen Sie dies, indem Sie versuchen, durch den Stoff zu atmen. Wenn es leicht geht, ist er geeignet. Dichter Möbelstoff oder gar Kunstleder sind ungeeignet, da sie den Schall reflektieren würden.

Nachdem Sie nun die physikalischen Grundlagen und die vielfältigen textilen Lösungen kennen, ist es an der Zeit, selbst aktiv zu werden. Gute Raumakustik ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis bewusster Planung und gezielter Eingriffe. Beginnen Sie noch heute damit, die Erstreflexionspunkte in Ihrem Raum zu identifizieren und Ihre erste textile Schallfalle zu planen, um Ihren Wohntraum in eine echte Oase der Ruhe zu verwandeln.
Fragen und Antworten zur Reduzierung von Hall in Wohnräumen
Wie messe ich die Nachhallzeit mit dem Smartphone?
Nutzen Sie Apps wie ‚RT60‘ oder ‚AudioTools‘. Klatschen Sie einmal laut in die Hände und die App misst automatisch die Zeit, bis der Schall verklungen ist. Der Zielwert für Wohnräume liegt zwischen 0,5 und 0,8 Sekunden.
Was ist der erste Schritt bei extremem Hall?
Legen Sie sofort einen grossen Teppich aus, der mindestens 40 % der Bodenfläche bedeckt. Dies unterbricht die primäre und stärkste Reflexion zwischen Boden und Decke und kann die Nachhallzeit bereits um bis zu 30 % reduzieren.
Welche temporären Lösungen gibt es für Mietwohnungen?
Verwenden Sie Massnahmen, die vollständig reversibel sind. Dazu gehören mobile Akustikstellwände, schwere Vorhänge, die an Teleskop- oder Klemm-Gardinenschienen befestigt werden, und grosse, stoffbezogene Sofas, die an den längsten Wänden platziert werden.