
Der Schlüssel zu professioneller Dekoration liegt nicht im Füllen von Flächen, sondern in einer kuratorischen Haltung, die jedem Objekt eine Bühne gibt.
- Die „Regel der Drei“ ist weniger eine mathematische Vorschrift als eine Philosophie, um visuelle Geschichten zu erzählen.
- Einzigartige Objekte mit einer persönlichen Biografie besitzen eine weitaus grössere ästhetische Kraft als anonyme Massenware.
Empfehlung: Betrachten Sie jede Oberfläche – ob Regal oder Sideboard – als eine kleine, persönliche Ausstellung und geben Sie jedem Exponat bewusst Raum zum Atmen.
In vielen Wohnungen erzählen Regale und Sideboards eine Geschichte von gut gemeinten, aber letztlich unzusammenhängenden Impulskäufen. Eine Ansammlung von Objekten, die für sich genommen reizvoll sein mögen, in der Summe jedoch Unruhe statt Harmonie ausstrahlen. Das Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“, ist vielen Dekorations-Enthusiasten vertraut. Die gängigen Ratschläge sind schnell zur Hand: Man solle in ungeraden Zahlen gruppieren, vor allem in Dreiergruppen, und die Höhen variieren. Diese mechanischen Regeln sind zwar ein Anfang, greifen aber zu kurz.
Das eigentliche Geheimnis professioneller Inszenierungen liegt tiefer. Es geht nicht um das blosse Zählen von Vasen, sondern um eine grundlegende Haltungsänderung: vom Ansammeln zum Kuratieren. Stellen Sie sich vor, Sie sind nicht nur Bewohner, sondern auch der Kurator Ihres eigenen Lebensraums. Diese Perspektive verändert alles. Sie zwingt uns, die Frage nach dem „Warum“ zu stellen: Warum genau dieses Objekt? Welche Geschichte erzählt es? Welchen Dialog führt es mit seinen Nachbarn?
Wenn die wahre Kunst also nicht im Befolgen starrer Regeln, sondern in der Entwicklung einer persönlichen, kuratorischen Vision liegt, wie setzt man das konkret um? Dieser Artikel führt Sie durch die Philosophie des bewussten Arrangierens. Wir entschlüsseln, warum Objekte mit Seele eine grössere Wirkung haben, wie entscheidend „visuelle Stille“ für Eleganz ist und wie Sie Ihre Wände gestalten, ohne sie zu überladen. Es ist eine Einladung, die Regel der Drei neu zu interpretieren – nicht als Formel, sondern als Werkzeug, um Räumen Charakter und visuelle Ruhe zu verleihen.
Um diese Prinzipien greifbar zu machen, beleuchtet dieser Leitfaden die wesentlichen Aspekte der kuratierten Dekoration. Entdecken Sie, wie Sie eine professionelle und zugleich persönliche Atmosphäre in Ihrem Zuhause schaffen.
Inhalt: Die Kunst des Arrangierens – Mehr als nur eine Regel
- Warum sollten Sie Deko kaufen, die eine Geschichte erzählt, statt Massenware?
- Unikat vom Töpfermarkt oder Vase vom Grosshändler: Wo sieht man den Unterschied?
- Das Risiko von zu viel Kleinkram: Ab wann wirkt Deko nur noch belastend?
- Wann ist der beste Zeitpunkt, um die Winter-Deko gegen Frühlings-Objekte zu tauschen?
- Wie nutzen Sie eine grosse Vase, um den Blick von einer hässlichen Ecke abzulenken?
- Warum braucht ein Objekt „Luft zum Atmen“ und wie viel Platz muss frei bleiben?
- Der Fehler, jeden Zentimeter zu dekorieren: Wann kippt Eleganz in Kitsch?
- Wie planen Sie eine „Petersburger Hängung“, ohne Ihre Wand in einen Schweizer Käse zu verwandeln?
Warum sollten Sie Deko kaufen, die eine Geschichte erzählt, statt Massenware?
Ein professionell gestalteter Raum lebt nicht von der Perfektion, sondern von der Persönlichkeit. Massenproduzierte Dekorationsartikel sind oft ästhetisch ansprechend, aber ihnen fehlt eine entscheidende Eigenschaft: eine Objekt-Biografie. Ein handgefertigtes Stück, ein Erbstück oder ein Fundstück vom Flohmarkt bringt eine eigene Geschichte mit sich. Es ist diese unsichtbare Ebene, die einem Arrangement Tiefe und Authentizität verleiht. Anstatt einen Raum nur zu schmücken, verankern solche Objekte Ihre persönliche Geschichte darin. Sie werden zu Gesprächsstartern und emotionalen Ankerpunkten, die eine sterile Umgebung in ein lebendiges Zuhause verwandeln.
Die Entscheidung für Unikate ist auch eine Wertschätzung für Handwerkskunst. Kunsthandwerker investieren nicht nur Zeit und Material, sondern auch ihre kreative Vision in jedes einzelne Stück. Dieser Prozess schafft eine Verbindung zwischen Schöpfer, Objekt und Besitzer. Heide Nonnenmacher, eine Vertreterin des deutschen Kunsthandwerks, fasst diesen Geist treffend zusammen:
Die meisten Objekte, die wir machen, sind Unikate
– Heide Nonnenmacher, Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft
Diese Einzigartigkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines bewussten schöpferischen Aktes. Die Unterstützung dieses Sektors trägt zudem zur kulturellen Vielfalt bei. In Deutschland existieren laut einer Studie der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft rund 55.200 kultur- und kreativwirtschaftliche Handwerksunternehmen, die einen signifikanten Beitrag zur Wirtschaft leisten. Der Kauf eines solchen Objekts ist somit mehr als nur eine ästhetische Entscheidung; es ist ein Statement für Individualität und nachhaltigen Konsum.
Letztlich geht es darum, eine Sammlung aufzubauen, die Ihre Identität widerspiegelt. Jedes Mal, wenn Ihr Blick auf die handgetöpferte Schale fällt, erinnern Sie sich an den Töpfermarkt, auf dem Sie sie entdeckt haben. Das macht den wahren, unbezahlbaren Wert von Dekoration aus.
Unikat vom Töpfermarkt oder Vase vom Grosshändler: Wo sieht man den Unterschied?
Auf den ersten Blick mag der Unterschied subtil erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich die Seele eines handgefertigten Objekts. Während Massenware auf makellose Gleichförmigkeit abzielt, zelebriert das Unikat die Spuren seiner Entstehung. Es sind die kleinen, perfekten Imperfektionen, die von menschlicher Hand zeugen: eine kaum sichtbare Unregelmässigkeit in der Form, der individuelle Verlauf der Glasur oder sogar der zarte Abdruck eines Fingerabdrucks im Ton.
Christina Beyer vom Bundesverband Kunsthandwerk bringt die fundamentale Differenz auf den Punkt, indem sie die Rolle des Schöpfers hervorhebt. Sie erklärt, dass im Gegensatz zu Designern, deren Arbeit nach dem Entwurf endet, Kunsthandwerker den gesamten Prozess begleiten. Wie sie in einem Fachartikel ausführt: „Der Kunsthandwerker entwirft, gestaltet und setzt in seinem Atelier das um, was er entworfen hat.“ Bei Massenware hingegen liegt die Ausführung in anderen, oft industriellen, Händen. Diese ganzheitliche Kontrolle über den Schaffensprozess verleiht dem finalen Objekt eine besondere haptische und visuelle Qualität, die maschinell nicht reproduzierbar ist.

Um diese Unterschiede selbst zu erkennen, schulen Sie Ihren Blick und Ihre Hände. Nehmen Sie das Objekt in die Hand und prüfen Sie sein Gewicht; handgefertigte Keramik ist oft schwerer. Fahren Sie mit den Fingern über die Oberfläche und spüren Sie die Textur. Betrachten Sie die Unterseite, wo sich oft Signaturen, Werkstattmarken oder die rohe Beschaffenheit des Materials zeigen. Diese Details sind die Signatur des Handwerkers und machen jedes Stück zu einem echten Einzelstück.
Die Entscheidung für ein Unikat ist somit eine Entscheidung für ein Objekt mit Charakter. Es ist die bewusste Abkehr von anonymer Perfektion hin zu einer Ästhetik, die das Menschliche und Einzigartige feiert.
Das Risiko von zu viel Kleinkram: Ab wann wirkt Deko nur noch belastend?
Es gibt einen feinen Grat zwischen einer liebevoll kuratierten Sammlung und einer erdrückenden Ansammlung von Staubfängern. Dieser Wendepunkt ist erreicht, wenn die Dekoration aufhört, Freude zu bereiten, und stattdessen eine subtile Form von Stress verursacht. Dieses Phänomen wird oft als „visueller Lärm“ bezeichnet – eine Überfülle an Reizen, die unser Gehirn unbewusst verarbeiten muss und die zu einer kognitiven Belastung führt. Ein Regal, das mit unzähligen kleinen Souvenirs, Figuren und Bildern überladen ist, lässt dem Auge keinen Ruhepunkt und kann einen Raum kleiner und unordentlicher wirken lassen, als er tatsächlich ist.
Die psychologische Wirkung unserer Umgebung ist nicht zu unterschätzen. Ein minimalistischer Ansatz, bei dem weniger, aber dafür sorgfältig ausgewählte Objekte präsentiert werden, schafft nicht nur physischen, sondern auch mentalen Raum. Die 2020 veröffentlichte Studie „Towards a Theory of Minimalism and Wellbeing“ von Lloyd und Pennington befragte Personen, die einen minimalistischen Lebensstil praktizieren. Alle Teilnehmer berichteten von einem gesteigerten Wohlbefinden, das sich in mehr Autonomie, mentalem Freiraum und Achtsamkeit äusserte. Diese Ergebnisse decken sich mit breiteren psychologischen Erkenntnissen, die zeigen, dass eine reduzierte Umgebung Stress abbauen und die Konzentration fördern kann.
Die positive Korrelation zwischen Reduktion und Wohlbefinden wird auch durch quantitative Daten gestützt. So zeigt beispielsweise eine Studie, dass Menschen mit weniger Besitz berichten von 12% höherem subjektiven Wohlbefinden. Es geht hierbei nicht um radikalen Verzicht, sondern um eine bewusste Entscheidung für Qualität über Quantität. Ein einzelnes, aussagekräftiges Objekt, das Raum zum Wirken hat, entfaltet eine weitaus stärkere atmosphärische Dichte als zehn beliebige Stücke, die um Aufmerksamkeit konkurrieren. Die Dekoration wirkt dann nicht mehr belastend, sondern bereichernd.
Der Moment, in dem Eleganz in Unruhe umschlägt, ist also dann erreicht, wenn die Summe der Teile das Auge überfordert und die einzelnen Objekte ihre individuelle Schönheit verlieren. Weniger ist hier tatsächlich mehr – mehr Ruhe, mehr Fokus und mehr Stil.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um die Winter-Deko gegen Frühlings-Objekte zu tauschen?
Der Wechsel der Jahreszeiten ist eine wunderbare Gelegenheit, die Atmosphäre eines Raumes neu zu definieren. Doch der Übergang von der gemütlichen, schweren Winterdekoration zur leichten, frischen Ästhetik des Frühlings kann eine Herausforderung sein. Der richtige Zeitpunkt ist weniger ein festes Datum im Kalender als vielmehr ein Gefühl – wenn die Tage länger werden und das erste zarte Grün sichtbar wird. Anstatt eines abrupten Wechsels, der den Raum für kurze Zeit nackt und unfertig wirken lässt, empfehlen Experten einen fliessenden Übergang über einen Zeitraum von etwa einer Woche.
Beginnen Sie damit, die offensichtlichsten Winterboten wie Tannenzweige, schwere Wollplaids oder weihnachtliche Motive zu entfernen. Belassen Sie zunächst neutrale Elemente wie Kerzen in schlichten Gläsern, helle Keramik oder Objekte aus hellem Holz. Diese bilden die Brücke zwischen den Jahreszeiten. Fügen Sie dann schrittweise Frühlingsakzente hinzu: einen Zweig mit den ersten Knospen in einer Vase, Kissenbezüge in sanften Pastelltönen oder ein neues Bild mit einem hellen, luftigen Motiv. Eine Basis aus neutralen Tönen wie Beige, Off-White oder Hellgrau erleichtert diesen Prozess enorm, da sie sowohl mit warmen Wintertexturen als auch mit frischen Frühlingsfarben harmoniert.

Dieser sanfte Wandel ist eine Form der kuratorischen Rotation. Die Winterdekoration wird nicht einfach entsorgt, sondern sorgfältig in beschrifteten Boxen archiviert, bereit für ihren nächsten Einsatz. Dieser bewusste Umgang mit den Objekten verwandelt eine lästige Pflicht in ein kreatives Ritual, das die Vorfreude auf die neue Saison steigert und dem Zuhause erlaubt, im Rhythmus der Natur zu atmen.
Letztendlich ist der beste Zeitpunkt der, der sich für Sie richtig anfühlt. Es ist Ihr Raum, und der saisonale Wechsel sollte Freude bereiten und die Veränderung in der Aussenwelt auf subtile und elegante Weise nach innen tragen.
Wie nutzen Sie eine grosse Vase, um den Blick von einer hässlichen Ecke abzulenken?
Jeder Raum hat sie: die eine Ecke, die architektonisch unglücklich gelöst ist, eine unschöne Steckdosenleiste beherbergt oder einfach leer und verloren wirkt. Anstatt zu versuchen, solche Problemzonen zu verstecken, lautet die professionelle Strategie: Ablenken durch einen gezielten visuellen Anker. Eine grosse, skulpturale Vase ist das perfekte Instrument für diese Aufgabe. Ihre schiere Präsenz und Form ziehen den Blick auf sich und lassen das unliebsame Detail dahinter in den Hintergrund treten.
Der Erfolg dieser Methode hängt von der richtigen Wahl der Vase ab. Wählen Sie ein Objekt, das in Proportion zur Ecke steht – zu klein wirkt sie verloren, zu gross erdrückend. Eine Bodenvase mit einer Höhe von mindestens 60-80 cm ist oft ein guter Ausgangspunkt. Die Form sollte einen eigenen Charakter haben: Eine bauchige, organische Form wirkt weich und einladend, während eine hohe, zylindrische Vase modern und strukturiert erscheint. Die Farbe sollte entweder einen Kontrast zur Wand bilden, um hervorzustechen, oder einen Ton aus der Raum-Farbpalette aufgreifen, um für Harmonie zu sorgen.
Entscheidend ist auch, was – oder was nicht – in die Vase kommt. Um maximale Wirkung zu erzielen, gilt auch hier: Weniger ist mehr. Anstatt eines üppigen, bunten Strausses, der selbst wieder für visuelle Unruhe sorgen könnte, setzen Sie auf ein einziges, dramatisches Element. Ein einzelner, grosser Ast mit interessanter Wuchsform, ein paar hohe Gräser (wie Pampasgras) oder sogar Eukalyptuszweige wirken minimalistisch und elegant. Oft ist die leere Vase sogar die stärkste Aussage, da so ihre reine Form und Materialität im Vordergrund stehen. Sie wird vom Gebrauchsgegenstand zum reinen Kunstobjekt, dessen einzige Aufgabe es ist, schön zu sein und den Blick zu lenken.
So wird aus einer „hässlichen Ecke“ eine bewusst gestaltete Nische, die dem Raum Charakter und eine neue, interessante Fokussierung verleiht. Sie kaschieren nicht, Sie kuratieren.
Warum braucht ein Objekt „Luft zum Atmen“ und wie viel Platz muss frei bleiben?
In der Welt des Designs und der Kunst ist der leere Raum – oft als Negativraum oder Leerraum bezeichnet – genauso wichtig wie das Objekt selbst. Dieser Raum ist keine Verschwendung, sondern eine aktive Komponente der Komposition. Er gibt einem Objekt die sprichwörtliche „Luft zum Atmen“, die es benötigt, um seine Form, Farbe und Textur voll zur Geltung zu bringen. Ohne diesen umgebenden Freiraum verschmilzt ein Objekt mit seiner Umgebung, verliert an Kontur und seine visuelle Wirkung verpufft. Der Leerraum fungiert wie ein unsichtbarer Rahmen, der den Blick des Betrachters lenkt und sagt: „Sieh her, das hier ist wichtig.“
Doch wie viel Platz ist genug? Während es keine exakte mathematische Formel gibt, liefert die Gestaltungslehre eine nützliche Faustregel, die sich am Goldenen Schnitt orientiert. Viele Interior-Designer empfehlen, dass mindestens 1/3 der Gesamtbreite einer Oberfläche als freier Raum um eine Objektgruppe herum bleiben sollte. Wenn Sie also ein Sideboard von 150 cm Breite dekorieren, sollten Ihre Objekte oder Objektgruppen insgesamt nicht mehr als 100 cm einnehmen, sodass 50 cm als bewusste „visuelle Stille“ verbleiben. Diese Regel verhindert die typische Überladung und schafft eine ausbalancierte, ruhige Ästhetik.
Die Notwendigkeit dieses Freiraums hat auch eine psychologische Dimension. Ein überladener visueller Input führt zu kognitiver Überlastung. Wie eine psychologische Studie zum Minimalismus feststellt, kann ein überfülltes Zuhause dazu führen, dass unser Gehirn ständig Reize verarbeiten muss. Ein bewusst gestalteter Leerraum schafft hingegen eine entspannte Atmosphäre, die Fokus und Klarheit fördert. In einem solchen Umfeld kann jedes einzelne Objekt seine Präsenz entfalten und als bewusster Akzent wirken, anstatt im allgemeinen Rauschen unterzugehen.
Der Mut zur Lücke ist somit kein Zeichen von mangelnder Kreativität, sondern ein Beweis für stilistisches Selbstvertrauen und ein tiefes Verständnis für die Prinzipien guter Gestaltung.
Der Fehler, jeden Zentimeter zu dekorieren: Wann kippt Eleganz in Kitsch?
Der Impuls, jede leere Fläche mit einem dekorativen Gegenstand zu füllen, ist weit verbreitet. Er entspringt oft dem Wunsch, einem Raum Wärme und Persönlichkeit zu verleihen. Doch genau hier liegt die Gefahr: Wenn jede Oberfläche, jede Nische und jede Wand bis auf den letzten Zentimeter bespielt wird, kippt die gut gemeinte Fülle unweigerlich in visuelles Chaos. Eleganz verwandelt sich in Kitsch. Dieser Kipppunkt ist erreicht, wenn das Auge keine „Ruhezonen“ mehr findet und die einzelnen Objekte ihre Wirkung verlieren, weil sie in der Masse untergehen.
Dieses Phänomen des „visuellen Lärms“ hat direkte Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Studien im Bereich der Umweltpsychologie belegen, dass ein minimalistisches, aufgeräumtes Umfeld Stress reduzieren und die Konzentration fördern kann. Ein Raum ohne visuelle Ablenkungen führt zu weniger kognitiver Belastung und somit zu mehr mentaler Klarheit. Der Fehler, alles zu dekorieren, beraubt uns dieser wertvollen mentalen Ressource. Anstatt einer entspannenden Oase schaffen wir unbewusst eine Umgebung, die unser Gehirn permanent fordert.
Um diesen Fehler zu vermeiden, ist eine kuratorische Herangehensweise unerlässlich. Anstatt wahllos zu platzieren, definieren Sie pro Fläche einen klaren visuellen Fokus. Gruppieren Sie Objekte nach der Regel der Drei (oder einer anderen ungeraden Zahl), variieren Sie deren Höhen, um eine dynamische Silhouette zu schaffen, und beschränken Sie sich pro Raum auf eine Palette von maximal drei Hauptfarben. Der entscheidendste Schritt ist jedoch, bewusst Flächen komplett frei zu lassen. Ein Sideboard, auf dem nur auf einer Seite eine stilvolle Gruppe von Objekten steht, wirkt weitaus souveräner und eleganter als eines, das von links nach rechts vollgestellt ist.
Die wahre Meisterschaft liegt nicht in der Fülle, sondern in der bewussten Reduktion. Es ist die Kunst, genau zu wissen, wann man aufhören muss, um die maximale ästhetische Wirkung zu erzielen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kuratieren statt Akkumulieren: Betrachten Sie Ihr Zuhause als eine Galerie und wählen Sie jedes Objekt mit Bedacht aus.
- Die Kraft der Biografie: Objekte mit einer persönlichen Geschichte verleihen einem Raum mehr Tiefe als anonyme Massenware.
- Mut zur Leere: Visuelle Stille und Leerraum sind aktive Gestaltungselemente, die Objekten erst ihre Wirkung verleihen.
Wie planen Sie eine „Petersburger Hängung“, ohne Ihre Wand in einen Schweizer Käse zu verwandeln?
Eine „Petersburger Hängung“ oder Salon-Hängung, bei der zahlreiche Bilder unterschiedlicher Grösse dicht an dicht gehängt werden, ist der Inbegriff kuratierter Opulenz. Sie kann einer Wand eine unglaubliche Dynamik und Persönlichkeit verleihen. Doch die Angst vor falsch gesetzten Nägeln und einer chaotischen Anordnung hält viele davon ab. Das Ergebnis ist oft eine Wand, die einem Schweizer Käse gleicht, und eine Komposition, die unharmonisch wirkt. Der Schlüssel zu einer perfekten Hängung liegt in einer einzigen, unverzichtbaren Vorbereitungsmethode: der Papier-Generalprobe.
Diese Methode erlaubt es Ihnen, die gesamte Komposition risikofrei an der Wand zu planen, zu verschieben und zu perfektionieren, bevor auch nur ein einziger Nagel geschlagen wird. Sie agieren wie ein Kurator, der seine Ausstellung plant, und können verschiedene Anordnungen testen, bis Sie die perfekte visuelle Balance gefunden haben. Der Prozess ist einfach, aber wirkungsvoll und verwandelt eine potenziell frustrierende Aufgabe in einen kreativen Akt. Anstatt zu raten, arbeiten Sie mit einer präzisen Vorlage und haben die volle Kontrolle über das Endergebnis.
Die Umsetzung erfordert nur wenige Materialien – Packpapier, Schere, Massband und wiederablösbares Klebeband – und folgt einer klaren Schritt-für-Schritt-Anleitung. Dieser Prozess stellt sicher, dass Abstände, Linien und das Gesamtbild stimmen, bevor Sie Ihre Wand unwiderruflich verändern.
Ihre Vorgehensweise: Die Papier-Generalprobe für die perfekte Bilderhängung
- Schablonen erstellen: Schneiden Sie für jedes Bild, das Sie aufhängen möchten, ein Stück Papier in exakt derselben Grösse zu.
- Vorläufiges Arrangement: Befestigen Sie diese Papierschablonen mit wiederablösbarem Klebeband (z.B. Malerkrepp) an der Wand. So können Sie die Positionen beliebig oft verändern, ohne Spuren zu hinterlassen.
- Ankerpunkt setzen: Beginnen Sie mit dem grössten oder wichtigsten Bild. Platzieren Sie dessen Schablone als visuellen Ankerpunkt, idealerweise so, dass sich sein Zentrum etwa auf Augenhöhe (ca. 1,55 m) befindet.
- Komposition aufbauen: Arrangieren Sie die restlichen Papierschablonen organisch um diesen Ankerpunkt. Achten Sie auf gleichmässige Abstände (ca. 5-10 cm) zwischen den Rahmen und spielen Sie mit horizontalen und vertikalen Linien.
- Finale Überprüfung: Treten Sie immer wieder zurück, um die Gesamtwirkung aus der Ferne zu beurteilen. Fotografieren Sie das finale Arrangement mit Ihrem Smartphone als Referenz.
Erst wenn Sie mit der Papiervorlage zu 100% zufrieden sind, markieren Sie die Nagelpositionen direkt auf dem Papier, nehmen die Schablonen ab und schlagen die Nägel ein. So garantieren Sie eine makellose Hängung, die Ihre Bilderwand in ein echtes Kunstwerk verwandelt.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre persönliche Galerie zu planen. Behandeln Sie Ihre Wand wie eine leere Leinwand und füllen Sie sie mit Geschichten – geplant, kuratiert und perfekt inszeniert.
Häufige Fragen zum saisonalen Dekorationswechsel
Sollte ich meine Dekoration schlagartig oder schrittweise wechseln?
Experten empfehlen einen fliessenden Übergang über 7-10 Tage. Beginnen Sie mit dem Entfernen der offensichtlichsten Winterelemente und fügen Sie nach und nach Frühlingsaspekte hinzu.
Welche Farben eignen sich für den Übergang Winter zu Frühling?
Neutrale Töne wie Beige, Off-White oder Hellgrau bilden eine ideale Basis. Ergänzen Sie diese mit warmen Akzenten in Pastelltönen oder frischem Grün.
Wie kann ich Winterdeko platzsparend lagern?
Nutzen Sie die kuratorische Rotations-Methode: Verpacken Sie Winterdeko in beschrifteten Boxen und archivieren Sie diese im Keller oder auf dem Dachboden für die nächste Saison.