
Die Optimierung einer L-förmigen Wohnung ist keine Frage der Dekoration, sondern der architektonischen Logik, die den Bewegungsfluss und die Energieeffizienz in den Mittelpunkt stellt.
- Die sogenannte „tote Ecke“ ist der strategische Dreh- und Angelpunkt, der die Zirkulation im gesamten Raum definiert.
- Falsch platzierte Möbel blockieren nicht nur Wege, sondern auch die thermische Zirkulation und erhöhen so die Heizkosten.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihre Wohnung nicht als eine Ansammlung von Flächen, die es zu füllen gilt, sondern als ein System von visuellen Achsen und Bewegungspfaden, die von der Ecke ausgehen.
Die charakteristische L-Form vieler Wohnungen birgt eine architektonische Herausforderung, die oft falsch interpretiert wird: die sogenannte „tote Ecke“. Viele Bewohner empfinden diesen Bereich als ungenutztes Problemfeld und versuchen, ihn mit den üblichen Lösungen zu füllen – einer Leseecke, einer überdimensionierten Pflanze oder einem unpraktischen Eckregal. Diese Ansätze kratzen jedoch nur an der Oberfläche eines vielschichtigen Problems. Sie ignorieren die grundlegende Funktion dieses Raumbereichs als zentralen Knotenpunkt für die gesamte Wohnungsdynamik. Eine schlecht genutzte Ecke führt unweigerlich zu alltäglichen Frustrationen, wie dem ständigen Anstossen am Couchtisch oder dem Gefühl, in einem Labyrinth aus Möbeln zu leben.
Der gängige Rat, helle Farben zu verwenden oder Spiegel aufzuhängen, ist zwar nicht falsch, aber er löst nicht die Kernursache der räumlichen Dysfunktion. Was, wenn die wahre Lösung nicht darin liegt, die Ecke zu dekorieren, sondern ihre Funktion als strategischen Pivot-Punkt zu verstehen und zu nutzen? Aus der Perspektive eines Architekten ist diese Ecke der Schlüssel zur Optimierung des gesamten Grundrisses. Sie beeinflusst nicht nur den Bewegungsfluss und die visuelle Weite, sondern auch technische Aspekte wie die thermische Zirkulation und damit die Energieeffizienz Ihrer Wohnung.
Dieser Artikel wird Sie durch eine systematische Analyse Ihrer L-förmigen Wohnung führen. Anstatt Dekorations-Tipps zu wiederholen, werden wir die räumlichen Prinzipien aufschlüsseln, die eine funktionale und harmonische Umgebung schaffen. Wir werden untersuchen, wie die richtige Anordnung von Möbeln den Verkehrsfluss lenkt, wie die Platzierung von Wärmequellen die Raumtemperatur beeinflusst und wie Sie multifunktionale Zonen schaffen, ohne Chaos zu erzeugen. Ziel ist es, Ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, um Ihre Wohnung nicht nur schöner, sondern fundamental funktionaler zu gestalten.
Um die komplexen Herausforderungen einer L-förmigen Wohnung systematisch zu meistern, gliedert sich dieser Leitfaden in acht zentrale Aspekte. Jeder Abschnitt beleuchtet ein spezifisches Problem aus einer architektonisch-funktionalen Perspektive und bietet konkrete, logische Lösungen an.
Inhaltsverzeichnis: Die L-Form aus architektonischer Sicht meistern
- Warum stossen Sie sich immer am Couchtisch und wie viel Platz brauchen Sie wirklich?
- Der Fehler, Möbel vor Heizkörper zu stellen: Wie viel Energie verschwenden Sie dadurch?
- Küche offen zum Wohnzimmer: Wann ist die Geruchsbelästigung das Design nicht wert?
- Warum fühlen Sie sich in vollgestellten Räumen müde und unkonzentriert?
- Wie verwandeln Sie das Esszimmer tagsüber in ein Home-Office, ohne Chaos zu erzeugen?
- Wie stellen Sie Möbel um, damit der Raum sofort 20% grösser wirkt?
- Der Fehler, zu viele kleine Zonen zu schaffen: Wann wirkt ein Loft wie ein Labyrinth?
- Wie breit müssen Durchgänge sein, damit Ihre Wohnung auch im Alter noch nutzbar ist?
Warum stossen Sie sich immer am Couchtisch und wie viel Platz brauchen Sie wirklich?
Das wiederholte Anstossen am Couchtisch ist kein Zeichen von Ungeschicklichkeit, sondern ein Symptom für einen schlecht geplanten Bewegungsfluss. In L-förmigen Wohnungen ist der Bereich um die innere Ecke der kritischste Punkt für die Zirkulation. Er fungiert als Pivot-Punkt, von dem aus sich die Hauptverkehrswege in die beiden Schenkel des Raumes verteilen. Ein massiver, falsch positionierter Couchtisch blockiert genau diesen zentralen Verteiler und zwingt die Bewohner zu unnatürlichen Ausweichmanövern. Aus architektonischer Sicht geht es nicht darum, Möbel zu eliminieren, sondern die Bewegungsachsen freizuhalten.
Die Lösung liegt in der Definition und Einhaltung von Mindestabständen. Die Hauptdurchgangswege, insbesondere die diagonale Verbindung zwischen den Enden der beiden L-Schenkel, sollten eine freie Breite von mindestens 90 cm aufweisen. Dies ermöglicht ein bequemes Passieren für zwei Personen. Zwischen einzelnen Möbelstücken, wie Sofa und Couchtisch oder Sessel und Wand, ist ein Abstand von mindestens 60 cm erforderlich, um eine stressfreie Nutzung zu gewährleisten. Anstatt eines starren, zentralen Tisches sind flexible Lösungen wie C-Tische, die über die Sitzfläche geschoben werden können, oder eine Gruppe kleinerer Beistelltische oft die intelligentere Wahl. Sie bieten bei Bedarf Ablagefläche, lassen sich aber leicht verschieben, um den zentralen Pivot-Punkt freizugeben, wenn er als Verkehrsweg benötigt wird.
Der Fehler, Möbel vor Heizkörper zu stellen: Wie viel Energie verschwenden Sie dadurch?
Die Platzierung von Möbeln vor Heizkörpern ist einer der häufigsten und kostspieligsten Fehler in der Wohnraumgestaltung. Es ist ein Problem, das über reine Ästhetik hinausgeht und direkt die thermische Zirkulation und damit Ihre Energiekosten beeinflusst. Ein Heizkörper funktioniert durch Konvektion: Er erwärmt die kalte Luft am Boden, die daraufhin aufsteigt, an der Decke entlangströmt, an der gegenüberliegenden Wand abkühlt und wieder zum Heizkörper zurücksinkt. Ein Sofa, ein Schrank oder selbst schwere Vorhänge, die direkt vor dem Heizkörper platziert sind, unterbrechen diesen Kreislauf massiv. Die Wärme staut sich hinter dem Möbelstück, während der Rest des Raumes kühl bleibt.
Die Folgen sind gravierend: Der Thermostat am Heizkörper misst die gestaute, heisse Luft und regelt die Heizleistung herunter, obwohl die gewünschte Raumtemperatur im Wohnbereich bei Weitem nicht erreicht ist. Sie frieren und drehen die Heizung weiter auf, was den Energieverbrauch unnötig in die Höhe treibt. Studien zur Heizeffizienz zeigen, dass die Verluste bereits durch dichte Vorhänge beträchtlich sein können; bei einem massiven Möbelstück sind sie noch dramatischer. Der Raum fühlt sich ungleichmässig temperiert und unbehaglich an, besonders in den von der Wärmequelle entfernten Teilen des L-Schenkels.

Wie diese Visualisierung verdeutlicht, agiert ein Möbelstück wie eine Barriere, die den natürlichen Wärmefluss blockiert. Um eine optimale Wärmeverteilung und Energieeffizienz zu gewährleisten, sollten Sie einen Mindestabstand von 30 bis 50 cm zwischen Heizkörper und grösseren Möbeln einhalten. Wenn der Platz knapp ist, wählen Sie Möbel auf hohen, schlanken Beinen. Diese ermöglichen es der kühlen Luft, unter dem Möbelstück zum Heizkörper zu strömen und der erwärmten Luft, darüber in den Raum aufzusteigen, wodurch der thermische Kreislauf zumindest teilweise intakt bleibt.
Küche offen zum Wohnzimmer: Wann ist die Geruchsbelästigung das Design nicht wert?
Offene Wohnküchen sind ein Markenzeichen modernen Wohnens und fördern die Kommunikation. In einer L-förmigen Anordnung kann diese Offenheit jedoch eine unerwünschte Nebenwirkung haben: die Entstehung einer olfaktorischen Falle. Während die visuelle Trennung von Koch- und Wohnbereich durch die L-Form oft gut gelingt, können sich Kochgerüche und Dampf hartnäckig in der inneren, schlecht belüfteten Ecke des Grundrisses festsetzen. Die Luftzirkulation ist in diesem Bereich naturgemäss schwächer, wodurch sich Geruchspartikel an Textilien wie Sofas, Teppichen und Vorhängen anlagern können.
Die Frage ist also, wann der Designvorteil einer offenen Küche die funktionellen Nachteile nicht mehr aufwiegt. Dies ist der Fall, wenn die Belästigung durch Gerüche die Wohnqualität permanent mindert. Die Lösung liegt nicht zwangsläufig in einer baulichen Trennung, sondern in einer intelligenten Materialwahl und technischen Aufrüstung. Materialien mit glatten, versiegelten Oberflächen wie Leder oder behandelte Mikrofasern nehmen Gerüche deutlich weniger an als poröse Stoffe wie Samt oder unbehandeltes Holz. Eine leistungsstarke Dunstabzugshaube mit Abluftbetrieb ist in L-förmigen Küchen immer die bessere Wahl als eine Umluftlösung.
Plan d’action : Stratégies contre la propagation des odeurs
- Positionieren Sie einen leistungsstarken Luftreiniger mit Aktivkohlefilter strategisch in der „Geruchsfalle“ der inneren Ecke.
- Platzieren Sie geruchsabsorbierende Pflanzen wie die Grünlilie (Chlorophytum comosum) in der Nähe der Übergangszone.
- Wählen Sie für Sitzmöbel im angrenzenden Wohnbereich Materialien wie Leder oder speziell behandelte Mikrofasern anstelle von Samt oder Leinen.
- Installieren Sie ein hohes, offenes Regal als subtilen Puffer, der die direkte Ausbreitung von Gerüchen bricht, ohne die visuelle Verbindung zu kappen.
- Etablieren Sie eine Routine für regelmässiges Stosslüften, insbesondere des Fensters, das am weitesten im „toten Winkel“ des L-Schenkels liegt.
Letztendlich ist die Abwägung eine persönliche. Wer häufig und intensiv kocht (z.B. stark gewürzte Speisen oder Fisch), sollte die Nachteile stärker gewichten. Die L-förmige Anordnung bietet zwar eine offene Atmosphäre, doch ohne gezielte Gegenmassnahmen kann sie zu einer permanenten Belastung für die Sinne werden.
Warum fühlen Sie sich in vollgestellten Räumen müde und unkonzentriert?
Das Gefühl von Erschöpfung und Konzentrationsschwäche in einer überladenen Wohnung ist kein subjektives Empfinden, sondern eine nachvollziehbare psychologische Reaktion auf eine zu hohe kognitive Last. Jeder Gegenstand in unserem Sichtfeld ist eine Information, die unser Gehirn unbewusst verarbeiten muss. In einem vollgestellten Raum, insbesondere in einem mit verwinkelter L-Form, wird das Gehirn mit einer Flut an visuellen Reizen bombardiert. Es muss ständig Objekte, Farben, Formen und Texturen scannen, sortieren und bewerten. Dieser Prozess verbraucht mentale Energie und führt zu einer subtilen, aber konstanten Ermüdung.
In kleinen oder schlecht geschnittenen Räumen wird dieser Effekt noch verstärkt. Wie die Experten von smow Designermöbel treffend formulieren:
Chaos ist in kleinen Räumen besonders präsent und lässt den Raum noch kleiner wirken.
– smow Designermöbel, Moderne Einrichtungstipps für kleine Räume
Ein Übermass an Dekoration und Möbeln engt den Raum nicht nur physisch, sondern auch mental ein. Einrichtungsexperten empfehlen daher, dass übermässige Dekoration vermieden werden sollte, da sie den Raum unnötig überladen kann. Die Reduktion auf das Wesentliche ist somit kein rein ästhetischer Trend des Minimalismus, sondern eine ergonomische Notwendigkeit für das geistige Wohlbefinden. Es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen, welche Objekte wirklich einen funktionalen oder emotionalen Wert haben, und den Rest zu entfernen. Das Ziel ist es, „visuelle Ruhezonen“ zu schaffen – Bereiche, in denen das Auge zur Ruhe kommen kann und das Gehirn eine Pause von der ständigen Informationsverarbeitung erhält.
Wie verwandeln Sie das Esszimmer tagsüber in ein Home-Office, ohne Chaos zu erzeugen?
Die Integration eines Arbeitsplatzes in den Wohnraum, insbesondere in einer L-förmigen Wohnung, erfordert eine Strategie der multifunktionalen Transformation, nicht der permanenten Addition. Der häufigste Fehler ist, den Esstisch einfach mit Laptop und Unterlagen zu belegen und ihn dort zu belassen. Dies führt zu visuellem Chaos und einer unklaren Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Der Essbereich verliert seine primäre Funktion, und der Arbeitsplatz wirkt immer provisorisch und unorganisiert. Die Lösung liegt in Möbeln und Systemen, die eine schnelle und vollständige Verwandlung ermöglichen.
Eine klassische, aber hocheffektive Lösung ist der oft vergessene Sekretär. Mit seiner klappbaren Arbeitsfläche und integrierten Fächern ermöglicht er es, das gesamte Büro-Equipment am Ende des Tages hinter einer geschlossenen Front verschwinden zu lassen. Dies schafft eine klare psychologische Trennung. Eine modernere Alternative ist das „Office-in-a-Box“-Konzept: Alle notwendigen Arbeitsutensilien werden in einem eleganten Rollcontainer oder einer grossen Design-Box aufbewahrt. Morgens wird der Inhalt auf dem Esstisch arrangiert, abends wird alles wieder vollständig darin verstaut. Der Tisch ist wieder frei und der Raum erhält seine ursprüngliche Funktion zurück.

Diese visuelle Transformation ist entscheidend. Die Beleuchtung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Eine smarte Leuchte über dem Tisch, die per App zwischen kühlem, aktivierendem Arbeitslicht (ca. 4000 Kelvin) und warmem, gemütlichem Esslicht (ca. 2700 Kelvin) wechseln kann, unterstützt die funktionale und atmosphärische Verwandlung des Raumes. So wird der Wechsel zwischen den Nutzungen zu einem bewussten Ritual.
Checkliste: Ihr „Office-in-a-Box“-Konzept umsetzen
- Schaffen Sie eine elegante Box, einen Korb oder einen Rollcontainer an, der das komplette Büro-Equipment aufnehmen kann.
- Verstauen Sie Laptop, Notizbücher, Stifte und Kabel nach der Arbeit strukturiert und vollständig darin.
- Halten Sie ein kompaktes Ergonomie-Set bereit: ein Keilkissen für den Stuhl, eine externe Tastatur und ein faltbarer Laptopständer zur Verbesserung der Haltung.
- Programmieren Sie eine smarte Leuchte über dem Tisch mit zwei Lichtszenarien: neutralweisses Arbeitslicht (ca. 4000K) und warmweisses Esslicht (ca. 2700K).
- Etablieren Sie das Aufräumen der Box als festes Ritual am Ende des Arbeitstages, um eine klare psychologische Trennung zu schaffen.
Wie stellen Sie Möbel um, damit der Raum sofort 20% grösser wirkt?
Die optische Vergrösserung eines Raumes ist weniger eine Frage der Möbelauswahl als vielmehr ihrer strategischen Anordnung im Verhältnis zu den visuellen Achsen. In einer L-förmigen Wohnung ist die längste ununterbrochene Sichtlinie oft die Diagonale, die die entferntesten Punkte der beiden Schenkel verbindet. Der häufige Fehler, alle Möbel parallel an die Wände zu stellen, verkürzt diese Achsen und lässt den Raum kleiner und statischer wirken. Die effektivste Methode, um Weite zu erzeugen, ist die bewusste Betonung und Freihaltung dieser längsten Sichtachse.
Eine einfache, aber wirkungsvolle Massnahme ist es, das grösste Möbelstück – meist das Sofa – leicht diagonal oder zumindest einige Zentimeter von der Wand abgerückt zu positionieren. Dies schafft Tiefe und einen kleinen Laufweg dahinter, was den Raum sofort luftiger erscheinen lässt. Die diagonale Ausrichtung, auch wenn nur um wenige Grad, kann den Blick des Betrachters entlang der längsten Achse lenken und so eine Illusion von mehr Fläche erzeugen. Ein weiterer entscheidender Trick ist der Einsatz eines grossen Spiegels. Wird dieser an der kurzen Wand des kürzeren L-Schenkels platziert, reflektiert er den langen Schenkel und verdoppelt so optisch dessen Länge.
Weitere Prinzipien zur optischen Raumvergrösserung umfassen:
- Möbel auf hohen Beinen: Sofas, Sideboards und Sessel auf schlanken Füssen lassen mehr Bodenfläche sichtbar, was den Raum grosszügiger wirken lässt.
- Vertikale Linien betonen: Hohe, schmale Wandregale anstelle von wuchtigen, bodentiefen Bücherregalen lenken den Blick nach oben und strecken den Raum optisch.
- Freie Ecken: Während die innere Ecke ein Pivot-Punkt ist, sollten die äusseren Ecken der L-Schenkel möglichst frei bleiben, um die Raumgrenzen nicht zu stark zu betonen.
Es ist jedoch Vorsicht geboten, wie Experten für Raumharmonie anmerken: Ein L-förmiges Sofa sollte keinen „spitzen Winkel“ bilden, der direkt auf einen anderen Sitzbereich zeigt, da dies als konfrontativ empfunden werden kann. Die Anordnung muss also nicht nur optisch, sondern auch funktional und psychologisch stimmig sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Die „tote Ecke“ ist kein Problem, sondern der strategische Pivot-Punkt, der den Bewegungsfluss der gesamten Wohnung steuert.
- Funktionale Raumplanung erfordert die Einhaltung von Mindestbreiten für Durchgänge (mind. 90 cm für Hauptwege) und um Möbel (mind. 60 cm).
- Weiche Zonierung durch Teppiche oder Beleuchtung ist in L-Räumen der harten Zonierung durch Möbel überlegen, da sie den Raumfluss erhält.
Der Fehler, zu viele kleine Zonen zu schaffen: Wann wirkt ein Loft wie ein Labyrinth?
Der Wunsch, einen grossen, offenen L-förmigen Raum in verschiedene Funktionsbereiche zu unterteilen, ist nachvollziehbar. Wird dies jedoch durch zu viele physische Barrieren – sogenannte harte Zonierung – umgesetzt, verkehrt sich der Vorteil der Offenheit ins Gegenteil. Der Raum wirkt nicht mehr grosszügig, sondern zerstückelt und labyrinthartig. Hohe Regale als Raumteiler, Paravents oder ungünstig platzierte Sofalandschaften zerschneiden die wichtigen visuellen Achsen und behindern den natürlichen Bewegungsfluss. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Enge, obwohl die Grundfläche gross ist.
Die architektonisch elegantere Lösung ist die weiche Zonierung. Anstatt physischer Barrieren werden hier subtilere Mittel eingesetzt, um Bereiche zu definieren, ohne den Raumfluss zu unterbrechen. Ein grosser Teppich kann eine Wohninsel klar abgrenzen, eine Pendelleuchte über dem Esstisch definiert den Essbereich, und eine Akzentwand in einer anderen Farbe oder Textur kann eine Arbeitsecke visuell hervorheben. Diese Methoden suggerieren Funktionen, ohne Barrieren zu errichten.
Die folgende Tabelle verdeutlicht den fundamentalen Unterschied im Effekt, wie er in einer vergleichenden Analyse zur Raumgestaltung beschrieben wird:
| Zonierungsart | Mittel | Effekt in L-Form |
|---|---|---|
| Harte Zonierung | Regale, Paravents | Bricht den Fluss, schafft Labyrinth-Gefühl |
| Weiche Zonierung | Teppiche, Beleuchtung, Akzentwand | Erhält Fluss, definiert Bereiche subtil |
Paradoxerweise können selbst ausladende Möbelstücke Teil einer gelungenen Zonierung sein, wenn sie richtig platziert werden. Wie die Redaktion von SoLebIch anmerkt, können diese in der L-förmigen Raumecke gut untergebracht werden:
Eine grosse Wohnwand in einem kleinen Raum sollte möglichst verdeckt aufgestellt werden, wie beispielsweise an der Wandfläche hinter der aufschwingenden Türe. In Erkern oder L-förmigen Raumecken können ausladende Möbel ebenfalls gut untergebracht werden.
– SoLebIch Redaktion, Die schönsten Ideen für die Raumgestaltung
Ein grosses Möbelstück in der Ecke kann also als Ankerpunkt dienen, von dem aus der restliche Raum offenbleibt, anstatt den Raum zu durchtrennen.
Wie breit müssen Durchgänge sein, damit Ihre Wohnung auch im Alter noch nutzbar ist?
Die Planung von Durchgangsbreiten ist ein entscheidender Aspekt des universellen Designs – ein Konzept, das darauf abzielt, Umgebungen zu schaffen, die für so viele Menschen wie möglich ohne Anpassungen nutzbar sind. In einer L-förmigen Wohnung, wo Wege oft um Ecken führen, ist dies von besonderer Bedeutung. Eine Wohnung, die heute bequem ist, kann im Alter oder bei temporären Einschränkungen (z.B. durch Gehhilfen oder einen Rollstuhl) schnell unpassierbar werden. Die vorausschauende Planung von Bewegungsflächen ist daher keine Nischenüberlegung, sondern eine Investition in die langfristige Nutzbarkeit des eigenen Zuhauses.
Die Anforderungen an barrierefreie Bewegungsräume sind in Deutschland klar geregelt. Die deutsche Norm DIN 18040-2 definiert, dass die lichte Durchgangsbreite von Türen mindestens 80 cm für eine barrierefreie Nutzung (z.B. mit Rollator) und 90 cm für eine uneingeschränkte Rollstuhlnutzung betragen muss. Diese Masse sollten als Mindeststandard für alle Hauptverkehrswege in der Wohnung angesehen werden. Engstellen, insbesondere im Bereich des Pivot-Punktes der L-Form, müssen vermieden werden. Der Wendekreis für einen Rollstuhl beträgt 150 cm x 150 cm, was bei der Möblierung von entscheidender Bedeutung ist, um genügend freie Manövrierfläche zu gewährleisten.
Bei der Möblierung bedeutet dies konkret, auf sperrige Möbel in Engstellen zu verzichten und stattdessen flexiblere oder filigranere Stücke zu wählen. Runde oder ovale Esstische sind eckigen vorzuziehen, da sie keine harten Kanten haben, an denen man sich stossen kann, und mehr Bewegungsfreiheit um den Tisch herum lassen. „Versteckte Barrierefreiheit“ ist hier das Stichwort: Ein stabiler Konsolentisch entlang einer Wand kann als unauffällige Stütze dienen, und bündig verlegte Teppiche ohne hohe Kanten verhindern Stolperfallen. Es geht darum, Stil und Sicherheit zu verbinden, ohne dass die Wohnung ein klinisches Aussehen erhält. Die Planung für die Zukunft beginnt mit den Entscheidungen, die wir heute über die Gestaltung unserer Räume treffen.
Häufige Fragen zur Gestaltung L-förmiger Wohnungen
Was ist der Wendekreis für Rollstühle?
Der benötigte Platz für eine 180°-Drehung eines Rollstuhls beträgt eine Fläche von 150 cm x 150 cm. Diese Masse genügen in der Regel auch für Elektrorollstühle und sind entscheidend für die Planung von freien Bewegungsflächen, insbesondere in Fluren, Bädern und Küchen.
Welche Möbel eignen sich für barrierefreie Räume?
Ideal sind runde oder ovale Esstische, um harte Ecken zu „entschärfen“ und den Durchgang zu erleichtern. Generell sind leichte oder rollbare Möbelstücke von Vorteil, da sie bei Bedarf einfach und ohne grossen Kraftaufwand verschoben werden können, um temporär mehr Platz zu schaffen.
Was ist „versteckte“ Barrierefreiheit?
„Versteckte“ Barrierefreiheit integriert nützliche Hilfen stilvoll in das Wohnambiente, ohne dass sie wie medizinische Hilfsmittel aussehen. Beispiele sind ein stabiler Konsolentisch an der Wand, der als unauffällige Stütze dient, oder Teppiche, die absolut bündig mit dem Boden abschliessen und keine Stolperkanten bilden. Das Ziel ist es, Sicherheit und Komfort zu gewährleisten, ohne auf eine anspruchsvolle Ästhetik zu verzichten.