
Zusammenfassend:
- Die optische Trennung gelingt nicht durch physische Barrieren, sondern durch die Schaffung psychologischer Zonen.
- Licht, Akustik und Textilien sind mächtigere Raumtrenner als Möbelstücke allein.
- Strategische Möbelplatzierung und die Wahrung von Sichtachsen können einen Raum optisch vergrössern und gleichzeitig strukturieren.
- Weniger, aber dafür gezielter eingesetzte Trennelemente, erhalten den offenen Charakter und verhindern ein Labyrinth-Gefühl.
Das Gefühl von Weite und Offenheit in einem Loft oder einem Ein-Zimmer-Apartment ist ein unschätzbarer Luxus. Doch schnell kann dieser Luxus in ein Gefühl von Unordnung und mangelnder Gemütlichkeit umschlagen, wenn Wohn-, Ess- und Kochbereich nahtlos ineinander übergehen. Wo hört die Entspannung auf und wo beginnt die Arbeit oder das Essen? Die gängigen Ratschläge sind schnell zur Hand: Ein Teppich hier, ein Regal dort. Doch diese oberflächlichen Lösungen kratzen nur an der Oberfläche eines viel tiefer liegenden Prinzips.
Die wahre Kunst der Raumgestaltung in offenen Grundrissen liegt nicht darin, physische Barrieren zu errichten, sondern darin, unsichtbare „Raumgefühle“ zu erschaffen. Es geht um psychologische Zonierung. Der Schlüssel ist nicht, den Raum zu zerteilen und damit zu verkleinern, sondern seinen natürlichen Fluss zu respektieren und durch subtile, aber wirkungsvolle Signale zu lenken. Es geht darum, visuelle Anker, Licht-Inseln und akustische Oasen zu schaffen, die dem Auge und dem Geist klare Funktionsbereiche signalisieren, ohne die Grosszügigkeit des Raumes zu opfern.
Doch was, wenn die gut gemeinte Zonierung nach hinten losgeht und das Loft plötzlich wie ein Hindernisparcours wirkt? Was, wenn das stylishe offene Regal von der Rückseite chaotisch aussieht oder der Geruch des Abendessens noch tagelang im Sofa hängt? Dieser Artikel geht über die üblichen Tipps hinaus und beleuchtet die strategischen Entscheidungen, die aus einem grossen, undefinierten Raum ein harmonisches und funktionales Zuhause machen. Wir werden uns ansehen, wie Sie durchdachte Entscheidungen bei Teppichen, Textilien, Möbeln und vor allem bei der Beleuchtung treffen, um Zonen zu definieren, die den Raum bereichern, anstatt ihn zu zerstückeln.
Inhaltsverzeichnis: Strategien zur optischen Gliederung offener Wohnkonzepte
- Wie gross muss der Teppich sein, um eine Sitzgruppe als eigene Zone zu definieren?
- Wie reduzieren Sie den Hall zwischen Küche und Sofa mit Textilien?
- Offenes Regal als Trennwand: Wie verhindern Sie, dass es von der Rückseite unordentlich aussieht?
- Warum brauchen Sie am Esstisch anderes Licht als auf dem Sofa im selben Raum?
- Der Fehler, zu viele kleine Zonen zu schaffen: Wann wirkt ein Loft wie ein Labyrinth?
- Küche offen zum Wohnzimmer: Wann ist die Geruchsbelästigung das Design nicht wert?
- Wie stellen Sie Möbel um, damit der Raum sofort 20% grösser wirkt?
- Wie planen Sie Lichtanschlüsse im Rohbau, um später keine Kabelkanäle zu brauchen?
Wie gross muss der Teppich sein, um eine Sitzgruppe als eigene Zone zu definieren?
Ein Teppich ist mehr als nur ein Bodenschmuck; er ist der stärkste visuelle Anker zur Schaffung einer psychologischen Zone. Er definiert eine Insel der Gemütlichkeit und signalisiert dem Gehirn: „Hier ist der Wohnbereich“. Die Wahl der richtigen Grösse ist dabei entscheidend, denn ein zu kleiner Teppich wirkt verloren und lässt die Möbelgruppe unzusammenhängend erscheinen, während ein zu grosser Teppich den gesamten Raum vereinnahmt und den Effekt der Zonierung zunichtemacht. Als Orientierung gilt: Die beliebtesten Grössen für Wohnzimmerteppiche sind 170 x 240 cm und 200 x 300 cm, da sie für die meisten Standard-Sofagruppen eine gute Basis bilden.
Die alles entscheidende Frage ist: Wie stehen die Möbel zum Teppich? Hier gibt es zwei goldene Regeln. Die „Vorderfüsse-Regel“ ist ideal für luftige, offene Räume: Nur die vorderen Füsse des Sofas und der Sessel stehen auf dem Teppich. Dies verbindet die Möbel zu einer Einheit, ohne den Boden komplett zu verdecken, was den Raum grösser wirken lässt. Die zweite ist die „Alle-Füsse-Regel“, bei der die gesamte Sitzgruppe vollständig auf dem Teppich platziert wird. Dies schafft eine sehr definierte, fast formelle Insel und eignet sich hervorragend, um eine grosszügige Wohnlandschaft klar abzugrenzen.
Ein Profi-Tipp, um noch mehr Tiefe und Charakter zu erzeugen, ist das Teppich-Layering. Man legt einen grossen, neutralen Basisteppich (z.B. aus Jute oder Sisal) aus, der die Zone grosszügig definiert. Darauf wird ein kleinerer, gemusterter oder farbigerer Teppich platziert, der die eigentliche Sitzgruppe zentriert. Diese Technik schafft nicht nur visuelles Interesse, sondern erlaubt auch eine flexible und kostengünstige Anpassung des Stils.

Wie die geschichteten Teppiche im Bild zeigen, wird die Sitzgruppe klar als Einheit definiert, während der umgebende Holzboden sichtbar bleibt und so den Raumfluss nicht unterbricht. Unabhängig von der gewählten Methode sollte der Teppich immer auf beiden Seiten mindestens 10 bis 20 cm breiter als das Sofa sein, um die Proportionen zu wahren und die Sitzgruppe harmonisch einzurahmen.
Wie reduzieren Sie den Hall zwischen Küche und Sofa mit Textilien?
In offenen Wohnräumen ist die visuelle Gestaltung nur die halbe Miete. Ein oft unterschätzter Störfaktor ist die Akustik. Harte Oberflächen wie Fliesen, Beton, Glas und lackierte Küchenfronten reflektieren Schallwellen und erzeugen einen unangenehmen Hall, der Gespräche am Esstisch laut und das Klappern von Geschirr im ganzen Raum präsent macht. Die Lösung liegt in der Schaffung von „akustischen Oasen“ durch den gezielten Einsatz von schallabsorbierenden Materialien. Wie das KüchenTreff Expertenteam im Ratgeber für offene Küchen hervorhebt: „Die Schallwellen in Räumen können mit Akustik-Absorbern, also sogenannten Schallschluckern, gebremst werden. Als Ausgleich zu ‚akustisch harten‘ Materialien werden ‚weiche‘ Absorber genommen. Dazu zählen etwa Textilien und Teppiche.“
Der bereits besprochene Teppich im Wohnbereich ist der erste und wichtigste Schritt. Doch seine Wirkung kann durch weitere textile Elemente massiv verstärkt werden. Schwere Vorhänge vor grossen Fensterflächen sind wahre Schallschlucker. Stoffe wie Samt, Filz oder schwere Leinen sind hier deutlich effektiver als leichte Baumwolle. Auch Polstermöbel selbst tragen zur Schalldämpfung bei – ein grosses Stoffsofa ist akustisch wirksamer als ein Ledersofa mit glatter Oberfläche. Ergänzen Sie dies mit vielen Kissen und einer weichen Decke, um weitere Absorptionsflächen zu schaffen.
Moderne Akustiklösungen für offene Wohnküchen
Ein Forschungsprojekt der Textilbranche hat die schallabsorbierenden Eigenschaften verschiedener Materialien untersucht. Es zeigte sich, dass schwere, poröse Stoffe wie Samt und Filz den Schall deutlich besser absorbieren als glatte Baumwolle. Darauf basierend wurden moderne Akustikpaneele mit textiler Bespannung entwickelt. Diese als dekorative Wandelemente – beispielsweise hinter dem Sofa oder gegenüber der Küche – installierten Paneele können die Nachhallzeit um bis zu 60% reduzieren und so die Raumakustik drastisch verbessern, ohne den offenen Charakter des Raumes zu stören. Sie verwandeln eine hallende Höhle in eine behagliche, akustische Oase.
Denken Sie auch vertikal: Wandbehänge, grosse Leinwandbilder oder spezielle Akustikbilder, die mit schallschluckendem Schaumstoff gefüllt sind, können als Kunstwerke getarnt werden und gleichzeitig den Lärmpegel senken. Die Kombination dieser Elemente sorgt dafür, dass der Sound vom Filmabend auf dem Sofa bleibt und nicht mit dem Geräusch des Geschirrspülers konkurriert.
Offenes Regal als Trennwand: Wie verhindern Sie, dass es von der Rückseite unordentlich aussieht?
Ein offenes Regal ist der Klassiker unter den Raumtrennern. Es gliedert den Raum, ohne ihn komplett zu verschliessen und bewahrt die wichtigen Sichtachsen, die ein offenes Konzept ausmachen. Doch seine grösste Stärke ist auch seine grösste Schwäche: die Transparenz. Ein Regal, das vom Wohnbereich aus perfekt gestylt ist, kann vom Essbereich aus wie eine chaotische Ansammlung von Buchrücken, Kabelsalat und unansehnlichen Rückseiten wirken. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Einsatz liegt darin, das Regal als doppelseitiges Designobjekt zu betrachten.
Das Geheimnis ist der Rhythmus von „voll“ und „leer“. Nicht jedes Fach muss gefüllt sein. Leere Fächer bewahren die Luftigkeit und den Durchblick. In den gefüllten Fächern arbeiten Sie mit der Tiefe des Regals. Anstatt Bücher nur in einer Reihe aufzustellen, platzieren Sie einige vorne und einige hinten. Positionieren Sie dekorative Objekte so, dass sie von beiden Seiten interessant aussehen – eine Skulptur oder eine Vase mit einer markanten Form funktioniert hier besser als ein flaches Bild. Nutzen Sie geschlossene, aber stilvolle Boxen oder Körbe, um unansehnlichen Kleinkram zu verstauen. Diese schaffen ruhige, geschlossene Flächen innerhalb des offenen Rasters.

Eine weitere effektive Technik ist die Verwendung von Pflanzen. Eine Hängepflanze wie eine Efeutute, die sich durch die Fächer rankt, bricht die starre Geometrie auf und schafft von beiden Seiten ein lebendiges, grünes Element. Achten Sie auf eine ausgewogene Komposition: Wechseln Sie zwischen Büchern, dekorativen Objekten, Pflanzen und leeren Fächern ab. Gruppieren Sie Objekte nach Farbe oder Material, um visuelle Ruhe zu schaffen. So wird das Regal nicht nur zu einer Trennwand, sondern zu einer beidseitig kuratierten Galerie, die beide Raumzonen ästhetisch bereichert.
Denken Sie auch über Regalsysteme nach, die von vornherein für eine beidseitige Nutzung konzipiert sind, beispielsweise mit integrierten Schiebetüren oder Rückwänden, die nur einen Teil eines Fachs abdecken. So können Sie gezielt steuern, was von welcher Seite sichtbar ist.
Warum brauchen Sie am Esstisch anderes Licht als auf dem Sofa im selben Raum?
Licht ist der wohl mächtigste und zugleich subtilste Raumgestalter. In offenen Grundrissen ist eine durchdachte Lichtplanung entscheidend, denn sie ermöglicht es, per Knopfdruck „Licht-Inseln“ zu schaffen und damit Funktionsbereiche psychologisch zu trennen, ohne ein einziges Möbelstück zu verrücken. Der Grund, warum Sie am Esstisch anderes Licht benötigen als auf dem Sofa, liegt in der unterschiedlichen Funktion dieser Zonen. Am Esstisch finden aktive, aufgabenorientierte Tätigkeiten statt – Essen, Lesen, Arbeiten, gesellige Runden. Hier benötigen wir ein helleres, fokussierteres Licht. Der Sofabereich ist hingegen eine Zone der Entspannung und Gemütlichkeit, die nach weichem, diffusem und warmem Licht verlangt.
Die gezielte Steuerung von Lichtfarbe (gemessen in Kelvin), Lichtrichtung und Helligkeit ist der Schlüssel. Eine einzelne Deckenleuchte, die versucht, den ganzen Raum zu erhellen, schafft nur eine flache, ungemütliche Atmosphäre und hebt die Zonierung komplett auf. Stattdessen sollten Sie in Lichtebenen und -inseln denken.
Die folgende Tabelle verdeutlicht die unterschiedlichen Anforderungen an die Beleuchtung für eine effektive psychologische Zonierung, wie sie auch von Einrichtungsexperten empfohlen wird. Eine detaillierte Analyse der Beleuchtungsanforderungen zeigt die fundamentalen Unterschiede auf:
| Kriterium | Essbereich | Wohnbereich |
|---|---|---|
| Lichtfarbe (Kelvin) | 3000K (neutralweiss) | <2700K (warmweiss) |
| Lichtrichtung | Gerichtet, fokussiert | Diffus, indirekt |
| Hauptlichtquelle | Pendelleuchte über Tisch | Mehrere niedrige Lichtquellen |
| Funktion | Aktivität (Essen, Arbeiten) | Entspannung, Gemütlichkeit |
| Dimmbarkeit | Optional | Essentiell |
Moderne Smart-Home-Systeme machen diese Differenzierung so einfach wie nie zuvor. Eine Studie zur dynamischen Raumnutzung zeigte, wie eine Familie durch den Einsatz von Lampen mit variabler Farbtemperatur verschiedene „Lichtszenen“ schuf. Für das Abendessen wurde ein neutralweisses Licht mit 3000K und 100% Helligkeit über dem Tisch aktiviert, während für den anschliessenden Filmabend der Wohnbereich in ein auf 30% gedimmtes, warmweisses Licht von 2400K getaucht wurde. Das Ergebnis war eine gefühlte Raumvergrösserung um 25%, allein durch die klare psychologische Trennung mittels Licht.
Der Fehler, zu viele kleine Zonen zu schaffen: Wann wirkt ein Loft wie ein Labyrinth?
In dem Bestreben, einen offenen Raum zu strukturieren, lauert eine grosse Gefahr: die Über-Zonierung. Wenn jede Ecke ihren eigenen kleinen Teppich, ihre eigene kleine Lampe und ihr eigenes kleines Beistelltischchen bekommt, verwandelt sich die grosszügige Weite schnell in ein unruhiges, fragmentiertes Labyrinth. Der Raumfluss wird gestört, und das Auge findet keinen Ruhepunkt mehr. Wie die Einrichtungsberaterin Sarah Marie Kremer treffend formuliert: „Das Auge braucht Ruhezonen. Wenn jede kleine Ecke eine eigene ‚Zone‘ mit eigenem Teppich und Deko ist, wirkt der Raum fragmentiert und stressig.“ Ein offener Grundriss lebt von grosszügigen Wegen und klaren Sichtachsen. Werden diese durch zu viele kleine, abgegrenzte Bereiche blockiert, fühlt sich der Raum enger und chaotischer an als zuvor.
Die Lösung liegt in der Hierarchie und der bewussten Planung von Verkehrswegen. Definieren Sie eine klare Hauptzone (meist die Sitzgruppe) und ordnen Sie ihr maximal zwei bis drei kleinere Nebenzonen (Essbereich, Leseecke) unter. Anstatt vieler kleiner Teppiche, verwenden Sie lieber einen grossen für die Hauptzone und lassen die anderen Bereiche „atmen“, indem Sie sie beispielsweise nur durch eine Leuchte oder ein einzelnes Möbelstück definieren. Der wichtigste Grundsatz lautet: Bewahren Sie den Raumfluss. Die Wege zwischen den Zonen müssen logisch, breit und frei von Hindernissen sein. Ein Gefühl der Enge entsteht oft nicht durch die Möbel selbst, sondern durch zu schmale Durchgänge.
Um dies zu vermeiden, sollten Sie eine aktive Analyse Ihrer Laufwege durchführen, bevor Sie die endgültige Anordnung festlegen. Dies hilft, Engpässe zu identifizieren und einen harmonischen Fluss zu gewährleisten.
Ihre Checkliste zur Verkehrswege-Analyse für optimale Zonierung
- Hauptlaufwege identifizieren: Markieren Sie mit Kreppband auf dem Boden die natürlichen Bewegungsmuster zwischen Haustür, Küche, Sofa und Fenster.
- Mindestbreiten einhalten: Stellen Sie sicher, dass für Hauptdurchgänge 80-90 cm und für selten genutzte Nebenwege mindestens 60 cm frei bleiben.
- Hierarchie etablieren: Definieren Sie eine Hauptzone und richten Sie maximal 2-3 klar untergeordnete Nebenzonen ein, anstatt viele gleichwertige kleine Bereiche zu schaffen.
- Sichtachsen bewahren: Stellen Sie sicher, dass über den Trennelementen (z.B. Regale, Sofalehnen) mindestens 40% der Raumhöhe frei bleiben, um die visuelle Verbindung aufrechtzuerhalten.
- Atmende Trennung wählen: Bevorzugen Sie durchlässige Trennelemente wie offene Regale, Glaswände oder Teppiche anstelle von geschlossenen Wänden oder massiven Podesten, die den Raumfluss blockieren.
Eine gute Zonierung schafft Klarheit und Gemütlichkeit, ohne den offenen Charakter zu zerstören. Sie leitet den Blick und die Bewegung, anstatt sie zu blockieren. Wenn Sie sich unsicher sind, gilt die Regel: Im Zweifel weniger. Ein klarer, gut proportionierter Raum mit zwei definierten Zonen ist immer besser als ein Labyrinth aus fünf halbherzigen Versuchen.
Küche offen zum Wohnzimmer: Wann ist die Geruchsbelästigung das Design nicht wert?
Die offene Wohnküche ist der Inbegriff modernen, kommunikativen Wohnens. Sie verbindet Kochen, Essen und Leben zu einem fliessenden Erlebnis. Doch diese Offenheit hat einen Preis, der oft erst nach dem Einzug bemerkt wird: Gerüche und Dünste. Der Duft von frisch gebackenem Kuchen ist willkommen, aber der Geruch von scharf angebratenem Fisch oder Knoblauch, der sich tagelang in den Polstern des Sofas festsetzt, kann die Freude am offenen Konzept erheblich trüben. Die entscheidende Frage ist also nicht *ob*, sondern *wie* Sie kochen.
Eine Lifestyle-Analyse ist hier ehrlicher als jedes Design-Versprechen. Eine Umfrage unter Haushalten mit offenen Küchen brachte ein klares Ergebnis: 73% der Familien, die täglich frittieren oder scharf anbraten, bereuten die Entscheidung für eine komplett offene Küche. Im Gegensatz dazu waren 89% der Haushalte, die hauptsächlich Ofengerichte, Suppen oder Salate zubereiten, hochzufrieden. Bevor Sie sich für eine offene Küche entscheiden, seien Sie ehrlich zu sich selbst: Sind Sie ein leidenschaftlicher Wok-Koch oder eher der Typ für Aufläufe? Die Antwort bestimmt, wie kritisch das Thema Dunstabzug für Sie ist.
Die Wahl des richtigen Dunstabzugssystems ist die wichtigste technische Entscheidung. Hier gibt es fundamentale Unterschiede in der Wirksamkeit, die oft übersehen werden. Ein leistungsstarkes Abluftsystem ist hier immer die erste Wahl, wenn es baulich möglich ist.
Die folgende Tabelle, basierend auf Expertenanalysen, zeigt die Effektivität verschiedener Systeme. Eine Gegenüberstellung der Dunstabzugshauben-Systeme macht deutlich, warum Abluft bei intensivem Kochen überlegen ist:
| System | Geruchsreduzierung | Empfohlen für | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Umluft | 40-60% | Gelegentliches Kochen | Fettpartikel bleiben im Raum |
| Abluft | 90-95% | Tägliches Kochen, offene Küchen | Bauliche Massnahmen nötig |
| Induktions-Kochfeldabzug | 80-85% | Moderne offene Küchen | Höhere Anschaffungskosten |
Zusätzlich zur Abluft helfen auch die richtigen Oberflächen. Abwischbare, glatte Materialien wie lackierte Fronten, Glasrückwände oder Edelstahl sind offenporigem Holz oder matten Strukturlacken vorzuziehen, da sie Gerüche und Fettspritzer weniger aufnehmen. Manchmal ist die beste Lösung ein Kompromiss: Eine grosse Schiebetür aus Glas kann die Küche bei Bedarf vom Wohnbereich trennen, ohne die visuelle Verbindung und das Gefühl der Offenheit komplett aufzugeben.
Wie stellen Sie Möbel um, damit der Raum sofort 20% grösser wirkt?
Es ist einer der verblüffendsten Effekte im Interior Design und widerspricht unserer Intuition: Um einen Raum grösser wirken zu lassen, sollten Sie die Möbel nicht an die Wand pressen. Indem Sie Ihren Möbeln „Luft zum Atmen“ geben, schaffen Sie eine visuelle Spannung und Tiefe, die das Auge täuscht und den Raum erweitert. Laut Interior-Design-Experten entsteht durch diese Technik eine erstaunliche optische Täuschung: Möbel 15-18 cm von der Wand abgerückt lassen den Raum bis zu 20% grösser wirken. Dieser kleine Schattenfuge hinter dem Sofa oder dem Sideboard suggeriert, dass der Raum hinter dem Möbelstück weitergeht, und verleiht dem Ganzen eine leichtere, schwebende Anmutung.
Dieser Grundsatz ist der erste Schritt. Um diesen Effekt zu maximieren, können Sie die „Diagonale-Strategie“ anwenden. Anstatt Möbel parallel zu den Wänden auszurichten, positionieren Sie das Hauptmöbelstück – also das Sofa oder den grössten Teppich – in einem leichten Winkel von 15-20 Grad zur Wand. Dies durchbricht die starre Kastenform des Raumes und zwingt das Auge, die längste Linie im Raum wahrzunehmen: die Diagonale. Dies erzeugt sofort ein Gefühl von mehr Weite und Dynamik.
Kombinieren Sie diese Strategie mit weiteren Kniffen: Lösen Sie alle zentralen Möbelstücke von den Wänden, nicht nur das Sofa. Schaffen Sie eine freie, ununterbrochene Blickachse zur längsten Diagonale des Raumes – meist von der Tür bis zum gegenüberliegenden Fenster. Vermeiden Sie es, diesen Weg mit Kleinmöbeln zu verstellen. Ein weiterer Trick ist die visuelle Verdichtung: Wählen Sie lieber ein grosses, markantes Sofa anstelle einer kleinteiligen Kombination aus Zweisitzer, Sessel und Hocker. Ein grosses Stück schafft mehr Ruhe und Grosszügigkeit als viele kleine.
Diese Neuausrichtung erfordert Mut, denn sie bricht mit der gewohnten Ordnung. Doch das Ergebnis ist oft eine sofortige und dramatische Veränderung der Raumwahrnehmung. Der Raum wirkt nicht nur grösser, sondern auch interessanter und weniger statisch. Es ist eine Einladung, den Raum neu zu erleben und sein volles Potenzial zu entfalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Psychologische Zonierung ist effektiver als physische Trennung und erhält den offenen Charakter des Raumes.
- Licht und Akustik sind unsichtbare, aber extrem wirkungsvolle Werkzeuge zur Raumgliederung.
- Der Raumfluss hat Priorität: Gut definierte Laufwege sind entscheidender als die Anzahl der Zonen.
Wie planen Sie Lichtanschlüsse im Rohbau, um später keine Kabelkanäle zu brauchen?
Die flexibelste und eleganteste Raumgestaltung scheitert oft an einer simplen Tatsache: Die Steckdose ist an der falschen Stelle. In offenen Grundrissen, in denen Möbel frei im Raum stehen sollen, ist dies ein fundamentales Problem. Eine Stehlampe neben dem freistehenden Sofa oder der Laptop am mittig platzierten Esstisch führen unweigerlich zu unschönen Stolperfallen in Form von Verlängerungskabeln oder zu hässlichen Kabelkanälen auf dem teuren Parkett. Die vorausschauende Planung von Licht- und Stromanschlüssen im Rohbau ist daher kein Luxus, sondern die Grundlage für jede zukünftige Flexibilität.
Die Standard-Planung mit Steckdosen nur entlang der Wände ist für offene Konzepte unzureichend. Die Lösung liegt unter den Füssen: Bodensteckdosen. Diese werden direkt in den Estrich eingelassen und ermöglichen es, Strom genau dort zu haben, wo er gebraucht wird – mitten im Raum. Dies ist der ultimative „Space-Manager“-Tipp, da er maximale Freiheit für die spätere Einrichtung gewährt. Sie können die Position des Esstisches saisonal ändern oder die Sofalandschaft neu arrangieren, ohne sich über die Stromversorgung Gedanken machen zu müssen.
Strategische Bodensteckdosen für flexible Raumnutzung
Ein Hamburger Architekturbüro hat die Planung von Bodensteckdosen für offene Grundrisse standardisiert. Es wird ein Raster von Bodendosen im Abstand von etwa drei Metern geplant. Besonders bewährt haben sich laut einer Analyse zu strategischen Bauplanungen Doppeldosen, die mittig unter dem geplanten Sofabereich und zentral im Raum für eine flexible Esstischposition platziert werden. Die einmalige Investition von 150-200 € pro Bodendose im Rohbau erspart später aufwändige Installationen von Kabelkanälen, die leicht 500-800 € kosten können. Die modernen Abdeckklappen sind begehbar, oft aus dem gleichen Material wie der Bodenbelag gefertigt und somit nahezu unsichtbar.
Neben Bodensteckdosen ist auch die Planung von Deckenauslässen entscheidend. Planen Sie nicht nur einen zentralen Auslass, sondern mehrere. Ein Auslass direkt über dem zukünftigen Esstisch ist ein Muss. Ein weiterer über dem Couchtisch ermöglicht eine zusätzliche Licht-Insel. Leerrohre, die zu verschiedenen Punkten im Raum führen, bieten die Flexibilität, später ohne grossen Aufwand Spots oder Schienensysteme zu installieren. Diese vorausschauende Planung im Rohbau ist die kostengünstigste und ästhetischste Methode, um sicherzustellen, dass Ihr offenes Wohnkonzept auch in vielen Jahren noch flexibel und funktional bleibt.
Beginnen Sie noch heute damit, diese Prinzipien auf Ihre eigene Wohnsituation anzuwenden. Egal, ob Sie einen Neubau planen oder Ihre bestehende Einrichtung optimieren möchten: Eine durchdachte Zonierung verwandelt jeden offenen Raum in ein funktionales und gemütliches Zuhause.