Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Der grösste Fehler beim Kauf von Polyrattan-Möbeln ist, dem Preisschild oder der Optik allein zu vertrauen; die wahre Qualität liegt in unsichtbaren Materialeigenschaften.

  • Die Langlebigkeit hängt entscheidend vom Untergestell (rostfreies Aluminium vs. rostender Stahl) und der Art des Geflechts (massives Rundgeflecht vs. dünnes Flachgeflecht) ab.
  • Billige Materialien zeigen oft erst nach ein bis zwei Saisons durch UV-Strahlung und Witterung ihre Schwächen in Form von Brüchigkeit und Rost.

Empfehlung: Führen Sie vor dem Kauf einfache, aber entlarvende „forensische“ Tests wie den Magnet-Check am Gestell und den Fingertest am Geflecht durch, um die Materialqualität selbst zu prüfen.

Es ist ein frustrierend vertrautes Bild in vielen Gärten: Die vor zwei Jahren noch schicken Polyrattan-Möbel sehen plötzlich alt und verschlissen aus. Das Geflecht ist an einigen Stellen gebrochen, die Farbe verblasst und unschöne Rostflecken ziehen sich vom Boden die Stuhlbeine hoch. Der Traum von der langlebigen und pflegeleichten Lounge-Ecke entpuppt sich als teures Ärgernis. Der Grund dafür liegt selten in mangelnder Pflege, sondern fast immer in der verborgenen Materialqualität, die beim Kauf nicht ersichtlich war. Polyrattan ist nicht gleich Polyrattan, und die Unterschiede zwischen einem hochwertigen Produkt und einem billigen Imitat sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Viele Käufer assoziieren den Korb-Look mit natürlichem Rattan, doch Polyrattan ist ein industriell gefertigter Kunststoff, meist aus Polyethylen (PE). Gerade weil es ein künstliches Material ist, sind die Qualitätsunterschiede enorm und hängen direkt von den Herstellungsprozessen und den verwendeten Rohstoffen ab. Während die üblichen Ratschläge oft bei oberflächlichen Tipps wie „auf UV-Schutz achten“ enden, liegt die wahre Kunst der Auswahl darin, die materialtechnischen Schwachstellen zu verstehen. Es geht nicht darum, den höchsten Preis zu zahlen, sondern darum, die Physik und Chemie hinter der Haltbarkeit zu kennen.

Dieser Artikel versetzt Sie in die Lage eines Kunststoff-Technikers. Statt sich auf Werbeversprechen zu verlassen, lernen Sie, die entscheidenden Qualitätsmerkmale selbst zu prüfen. Wir werden die physikalischen Gründe aufdecken, warum einige Geflechte brechen, warum Gestelle von innen heraus rosten und wie Sie mit einfachen, fast schon forensischen Methoden im Möbelhaus die Spreu vom Weizen trennen. Sie erfahren, warum die Art des Geflechts den Preis bestimmt, wie Sie verdeckte Mängel mit einem simplen Magneten entlarven und warum selbst eine Glasplatte zur Zerstörungsfalle werden kann. Am Ende werden Sie Polyrattan-Möbel nicht mehr nur mit den Augen eines Dekorateurs, sondern mit dem kritischen Blick eines Experten sehen.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, gliedert sich dieser Leitfaden in praxisnahe Abschnitte. Jeder Teil widmet sich einer spezifischen Frage und gibt Ihnen konkrete, technische Antworten und Prüfmethoden an die Hand.

Warum ist Rundgeflecht teurer und warum sieht es echter aus?

Der auffälligste Unterschied zwischen günstigen und hochpreisigen Polyrattan-Möbeln liegt oft im Geflecht selbst: Flachgeflecht versus Rundgeflecht. Der höhere Preis von Rundgeflecht ist direkt auf zwei Faktoren zurückzuführen: Materialaufwand und Herstellungsart. Rundgeflecht imitiert die Haptik und Optik von natürlichem Rattan fast perfekt, weil es wie sein natürliches Vorbild eine volle, runde Form besitzt. Diese Form erfordert deutlich mehr Rohmaterial (hochwertiges Polyethylen) pro laufendem Meter. Während dünne, flache Bänder maschinell und kostengünstig produziert werden können, ist das Flechten mit dicken, runden Strängen eine aufwendige Handarbeit, die viel Zeit und handwerkliches Geschick erfordert.

Dieser höhere Materialeinsatz hat einen direkten technischen Vorteil: die UV-Beständigkeit und Langlebigkeit. Die UV-Strahlung der Sonne führt zur sogenannten Materialermüdung, bei der die langen Polymerketten im Kunststoff aufbrechen. Das Material wird spröde und verliert seine Elastizität. Ein massiver, dicker Strang aus Rundgeflecht hat schlicht mehr „Opfermaterial“ und ein grösseres Volumen, das diesen Angriffen widerstehen kann. Dünnes Flachgeflecht hingegen ist der Strahlung viel exponierter und versprödet schneller. Aus diesem Grund kann hochwertiges Polyrattan-Rundgeflecht laut Herstellerangaben eine Lebensdauer von 15-20 Jahren erreichen, während einfache Flachgeflecht-Möbel oft schon nach 3-5 Jahren erste Bruchstellen aufweisen.

Die optische Authentizität des Rundgeflechts entsteht durch das Licht- und Schattenspiel auf der runden Oberfläche, das dem von echtem Rattan sehr nahekommt. Flachgeflecht wirkt hingegen oft leblos und „plastikartig“, weil es eine glatte, wenig strukturierte Oberfläche hat. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten technischen und wirtschaftlichen Unterschiede zusammen, basierend auf einer aktuellen Marktanalyse.

Vergleich: Flachgeflecht vs. Rundgeflecht bei Polyrattan
Eigenschaft Flachgeflecht Rundgeflecht
Herstellungsaufwand Maschinell möglich Aufwendige Handarbeit
Materialstärke ca. 1,4 mm 2,5-4 mm
UV-Beständigkeit Standard Höher durch Volumen
Preisklasse (Set) €300-800 €1.200-2.500
Haltbarkeit 3-8 Jahre 10-15 Jahre

Warum rosten billige Baumarkt-Sets von innen durch und wie testen Sie das im Laden mit einem Magneten?

Die grösste Schwachstelle vieler günstiger Polyrattan-Möbel ist unsichtbar: das Untergestell. Während die Werbung oft mit „wetterfest“ lockt, verbirgt sich unter dem schicken Geflecht häufig ein Gestell aus pulverbeschichtetem Stahl statt aus hochwertigem Aluminium. Das Problem: Stahl rostet. Die Pulverbeschichtung bietet zwar einen anfänglichen Schutz, doch durch die normale Nutzung, Temperaturschwankungen und kleinste Stösse entstehen winzige, unsichtbare Mikrorisse in der Lackschicht. Durch diese Risse dringt Feuchtigkeit ein und der Rostprozess beginnt – von innen nach aussen. Nach ein oder zwei Wintern bricht der Rost durch und hinterlässt hässliche Flecken auf Ihrer Terrasse und schwächt die gesamte Struktur des Möbels.

Hochwertige Gartenmöbel verwenden hingegen ausschliesslich Gestelle aus Aluminium. Aluminium bildet an der Luft eine hauchdünne, aber sehr widerstandsfähige Oxidschicht, die das Material quasi selbst versiegelt und vor weiterer Korrosion schützt. Es kann nicht durchrosten. Doch wie erkennen Sie im Geschäft, welches Metall verwendet wurde? Hier kommt ein einfacher, aber genialer forensischer Test ins Spiel: der Magnet-Test. Dieser Test macht sich die unterschiedlichen magnetischen Eigenschaften der Metalle zunutze.

Dieser einfache Trick ermöglicht es Ihnen, die Spreu vom Weizen zu trennen, noch bevor Sie Ihr Geld ausgeben. Die folgende Illustration zeigt, wie unauffällig dieser Test durchgeführt werden kann.

Hand hält einen kleinen Magneten an den Rahmen eines Polyrattan-Gartenmöbels, um das Material zu testen.

Wie Sie auf dem Bild sehen, reicht ein kleiner, unauffälliger Magnet, den Sie an Ihrem Schlüsselbund tragen können. Führen Sie ihn einfach an einer verdeckten Stelle, etwa an der Unterseite eines Stuhlbeins, an das Gestell. Das Ergebnis ist sofort eindeutig und entlarvt falsche Werbeversprechen.

Fallstudie: Der Magnet-Test als ultimative Qualitätsprüfung

Ein kleiner Schlüsselanhänger-Magnet wird zum entscheidenden Werkzeug. Wie eine Analyse der Materialeigenschaften zeigt, ist Aluminium paramagnetisch und reagiert nicht auf einen Magneten. Billiger, rostanfälliger Stahl hingegen ist ferromagnetisch und wird stark angezogen. Haftet der Magnet am Gestell, handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um pulverbeschichteten Stahl, der nach wenigen Jahren durchrosten wird. Bleibt der Magnet nicht haften, können Sie von einem langlebigen Aluminiumrahmen ausgehen.

Ihr 5-Punkte-Plan zur Qualitätsprüfung im Geschäft

  1. Kontaktpunkte definieren: Prüfen Sie nicht nur eine Stelle, sondern verschiedene Teile des Möbels – Stuhlbeine unten, Armlehnen, Rückseite der Lehne.
  2. Beweise sammeln (Tests durchführen): Führen Sie den Magnet-Test am Rahmen durch. Heben Sie eine Ecke an, um das Gewicht zu prüfen (Aluminium ist spürbar leichter als Stahl). Führen Sie den Klopftest mit dem Fingerknöchel durch (Aluminium klingt heller, Stahl dumpfer).
  3. Kohärenz prüfen: Vergleichen Sie Ihre Testergebnisse mit dem Preisschild und den Aussagen des Verkäufers. Ein sehr günstiger Preis bei einem leichten, nicht-magnetischen Gestell ist ein gutes Zeichen. Ein hoher Preis bei einem magnetischen Gestell ist ein Warnsignal.
  4. Haptik und Optik bewerten: Fahren Sie mit den Fingern über das Geflecht. Fühlt es sich spröde und dünn an oder massiv und elastisch? Wirkt das Flechtbild gleichmässig und straff?
  5. Entscheidung treffen: Basierend auf der Gesamtheit der gesammelten Beweise entscheiden Sie, ob das Möbelstück Ihren Qualitätsansprüchen für eine langfristige Investition genügt.

Wie bekommen Sie Grünspan aus den Ritzen, ohne das Geflecht zu beschädigen?

Selbst die hochwertigsten Polyrattan-Möbel sind nicht vor Umwelteinflüssen gefeit. Besonders an schattigen und feuchten Standorten kann sich mit der Zeit Grünspan – eine Mischung aus Algen, Moosen und Pilzen – in den feinen Ritzen des Geflechts festsetzen. Der erste Impuls vieler Besitzer ist, zum Hochdruckreiniger oder zu aggressiven chemischen Mitteln zu greifen. Das ist jedoch der grösste Fehler, den Sie machen können. Ein harter Wasserstrahl oder scharfe Reiniger können die Oberflächenstruktur des Polyethylens angreifen, es porös machen und die Weichmacher aus dem Material waschen. Das Ergebnis: Das Geflecht wird schneller spröde und die Lebensdauer verkürzt sich drastisch.

Die richtige Methode ist sanft und materialschonend. Der Schlüssel liegt darin, den Grünspan biologisch aufzulösen, anstatt ihn mechanisch zu entfernen. Die beste Waffe dafür ist eine einfache, selbst hergestellte Lösung: eine Mischung aus warmem Wasser und einem Schuss Essigessenz oder milder Seifenlauge (z.B. Spülmittel). Tragen Sie diese Lösung grosszügig mit einer weichen Bürste oder einem Schwamm auf die betroffenen Stellen auf und lassen Sie sie für etwa 15 bis 30 Minuten einwirken. Der Essig bzw. die Seife löst die Zellstruktur der Algen auf, ohne den Kunststoff anzugreifen.

Nach der Einwirkzeit können Sie den gelösten Schmutz mit einer weichen Bürste (z.B. einer alten Zahnbürste für enge Ritzen) sanft aus dem Geflecht arbeiten. Anschliessend spülen Sie die Möbel gründlich mit klarem Wasser aus einem Gartenschlauch mit geringem Druck ab. Wichtig ist, dass keine Seifen- oder Essigreste zurückbleiben. Lassen Sie die Möbel danach vollständig an der Luft trocknen. Diese Methode ist nicht nur effektiv und schont das Material, sondern ist auch umweltfreundlich und kostengünstig.

Kann man ein Loch im Geflecht flicken oder ist der Stuhl dann Müll?

Ein Malheur ist schnell passiert: Eine glühende Zigarettenasche, eine scharfe Kante beim Verrücken oder einfach nur über Jahre ermüdetes Material – und schon ist ein Loch oder ein Riss im Polyrattan-Geflecht. Viele Besitzer glauben, dass das Möbelstück damit ein Fall für den Sperrmüll ist. Das ist jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Ob eine Reparatur sinnvoll und möglich ist, hängt von der Art des Schadens und der Qualität des Geflechts ab. Handelt es sich um einen einzelnen gerissenen Strang in einem ansonsten intakten, hochwertigen Geflecht, ist eine Reparatur oft möglich. Ist das Material jedoch grossflächig versprödet und bricht an vielen Stellen, handelt es sich um einen irreparablen Materialschaden.

Für die Reparatur kleinerer Löcher gibt es spezielle Polyrattan-Reparatursets im Fachhandel. Diese enthalten in der Regel passende Ersatzstränge und manchmal einen speziellen Kunststoff-Kleber oder ein kleines Schweissgerät für Kunststoffe. Die einfachste Methode ist das Einflechten eines neuen Strangs. Dafür wird der beschädigte Strang sauber herausgeschnitten. Der neue Strang wird dann sorgfältig dem ursprünglichen Flechtmuster folgend eingefädelt. Die Enden werden auf der Unterseite oder an einer unsichtbaren Stelle mit einem starken, wasserfesten Klebstoff fixiert.

Eine professionellere Methode ist das Verschweissen. Mit einem speziellen Heissluft-Schweisskolben für Kunststoffe können die Enden des neuen Strangs mit dem bestehenden Geflecht verschmolzen werden. Dies erfordert jedoch etwas Übung, da zu viel Hitze das umliegende Material beschädigen kann. Das Ergebnis ist dafür extrem haltbar. Eine solche Reparatur ist zwar sichtbar, wenn man genau hinsieht, aber sie stellt die Stabilität wieder her und verhindert, dass sich der Schaden ausweitet. Der Stuhl ist also keineswegs Müll, sondern kann mit etwas Geschick noch viele weitere Jahre gute Dienste leisten.

Warum wirkt die Glasplatte auf dem Tisch wie ein Brennglas und schmilzt das Plastik?

Ein Polyrattan-Tisch mit einer aufliegenden Glasplatte wirkt elegant und bietet eine ebene, stabile Oberfläche. Doch genau diese Glasplatte kann zur tödlichen Falle für das darunterliegende Kunststoffgeflecht werden. Der Grund ist ein einfacher physikalischer Vorgang, der als Brennglaseffekt bekannt ist. Trifft direktes Sonnenlicht auf die Glasplatte, werden die Strahlen gebündelt und ihre Energie auf einen kleineren Bereich konzentriert. Dies führt zu einer extremen lokalen Erhitzung direkt unter dem Glas – Temperaturen von weit über 80°C sind keine Seltenheit.

Das Problem: Polyrattan besteht aus Polyethylen (PE), einem Thermoplast. Thermoplaste haben einen definierten Schmelz- bzw. Erweichungspunkt. Für hochwertiges HDPE (High-Density Polyethylene), das für gutes Polyrattan verwendet wird, liegt dieser Bereich typischerweise zwischen 120°C und 130°C. Auch wenn diese Temperatur nicht erreicht wird, beginnt das Material schon deutlich früher zu erweichen und sich dauerhaft zu verformen. Die durch den Brennglaseffekt erzeugte Hitze reicht oft aus, um das Geflecht unter der Glasplatte anzuschmelzen, zu verformen oder unschöne, glänzende Flecken zu hinterlassen. Besonders dunkle Geflechte sind gefährdet, da sie mehr Sonnenenergie absorbieren.

Um diesen Schaden zu vermeiden, gibt es eine einfache, aber entscheidende Konstruktionsregel: Die Glasplatte darf niemals direkt auf dem Geflecht aufliegen. Hochwertige Tische haben immer transparente, unauffällige Abstandshalter aus Gummi oder Silikon, auf denen die Glasplatte ruht. Diese kleinen Noppen schaffen einen Luftspalt von einigen Millimetern zwischen Glas und Geflecht. Dieser Spalt ermöglicht eine Luftzirkulation, die die konzentrierte Hitze abführt und einen Hitzestau verhindert. Beim Kauf eines Tisches sollten Sie also unbedingt darauf achten, ob diese kleinen, aber überlebenswichtigen Abstandshalter vorhanden sind. Fehlen sie, ist ein Hitzeschaden nur eine Frage der Zeit.

Woran erkennen Sie, ob der „Bambus“-Becher eigentlich nur Plastik mit Holzstaub ist?

Auf den ersten Blick scheint dieses Thema von Polyrattan-Möbeln abzuweichen, doch es illustriert perfekt ein übergeordnetes Prinzip: die Täuschung durch Materialverbunde, die natürlicher wirken sollen, als sie sind. Der Trend zu „Bambus“-Bechern und -Geschirr als umweltfreundliche Alternative zu reinem Plastik ist ein Paradebeispiel. Viele dieser Produkte bestehen jedoch nicht aus reinem Bambus, sondern aus einem Verbundstoff, bei dem Bambusfasern oder Holzstaub mit einem Kunststoff, oft Melaminharz, vermischt und unter Hitze verpresst werden.

Das Problem dabei ist, dass diese Materialien die Nachteile beider Welten vereinen können. Sie sind nicht so robust oder hitzebeständig wie reines Melamin und nicht biologisch abbaubar wie reiner Bambus. Unter der Einwirkung von heissen Flüssigkeiten oder Säuren (z.B. aus Obst) können sich zudem Formaldehyd und Melamin aus dem Harz lösen und in die Lebensmittel übergehen, wie verschiedene Verbraucherschutzorganisationen warnen. Der „natürliche“ Anschein ist hier reines Marketing.

Die Brücke zum Polyrattan ist offensichtlich: Auch hier wird oft mit einer natürlichen Optik geworben, die über die wahre, rein synthetische Natur des Materials hinwegtäuscht. Der „Bambus“-Becher lehrt uns eine wichtige Lektion: Misstrauen Sie Materialien, die vorgeben, etwas Natürliches zu sein, ohne ihre genaue Zusammensetzung preiszugeben. Ein ehrliches Produkt ist klar deklariert. Hochwertiges Polyrattan ist zu 100% Polyethylen – und das ist gut so, denn die Eigenschaften dieses reinen Kunststoffs sind bekannt und kontrollierbar. Ein undefinierbarer Mix wie bei vielen „Bambus“-Produkten ist hingegen eine Blackbox. Fragen Sie beim Kauf von Polyrattan also nicht, ob es „natürlich“ aussieht, sondern ob es aus hochwertigem, reinem HDPE besteht.

Warum schimmeln Ihre Möbel unter der billigen Plastikplane?

Um ihre teuren Gartenmöbel über den Winter zu schützen, greifen viele Besitzer zu einer einfachen, günstigen Abdeckplane aus dem Baumarkt. Im Frühling folgt dann das böse Erwachen: Unter der Plane hat sich ein muffiger Geruch ausgebreitet, die Polster sind klamm und auf dem Geflecht haben sich Stockflecken oder sogar Schimmel gebildet. Der Schutzversuch hat das Problem verschlimmert. Der Grund dafür ist ein physikalisches Phänomen: Kondensation unter einer nicht atmungsaktiven Hülle.

Eine billige Plastikplane (oft aus PVC oder einfachem PE) ist zu 100% wasserdicht – nicht nur von aussen nach innen, sondern auch von innen nach aussen. Tagsüber erwärmt die Sonne die Luft unter der Plane. Warme Luft kann viel Feuchtigkeit aufnehmen (sowohl aus der Umgebungsluft als auch aus dem Boden). Nachts kühlt die Aussenluft schnell ab, und mit ihr die Plane. Die warme, feuchte Luft im Inneren trifft auf die kalte Oberfläche der Plane und kühlt ebenfalls ab. Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit speichern, also kondensiert das überschüssige Wasser an der Innenseite der Plane und tropft auf die Möbel. Es entsteht ein permanent feuchtes Mikroklima – der ideale Nährboden für Schimmel und Pilze.

Die Lösung sind sogenannte atmungsaktive Schutzhüllen. Diese bestehen aus speziellen Membran-Geweben (ähnlich wie bei Funktionskleidung), die von aussen wasserdicht sind, aber von innen wasserdampfdurchlässig. Sie lassen die unter der Haube eingeschlossene Feuchtigkeit in Form von Dampf entweichen, verhindern aber, dass Regen eindringt. Zusätzlich sollten hochwertige Abdeckhauben über Belüftungsöffnungen verfügen, die eine ständige Luftzirkulation gewährleisten. Es ist auch entscheidend, dass die Haube die Möbel nicht komplett bis zum Boden abschliesst, damit von unten Luft nachströmen kann. Ein kleiner Abstand zum Boden ist essenziell, um Staunässe und die sogenannte Kapillarwirkung, bei der Feuchtigkeit vom Boden hochgezogen wird, zu unterbinden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Magnet-Test: Ein kleiner Magnet entlarvt sofort ein billiges Stahlgestell (magnetisch) unter dem Geflecht. Hochwertiges Aluminium ist nicht magnetisch.
  • Geflecht-Typ: Massives, dickes Rundgeflecht ist deutlich langlebiger und UV-beständiger als dünnes, günstiges Flachgeflecht, da es mehr Materialvolumen besitzt.
  • Verdeckte Gefahren: Eine direkt aufliegende Glasplatte kann das Geflecht schmelzen (Brennglaseffekt), und eine billige Plastikplane fördert Schimmel durch Kondenswasser.

Wie schaffen Sie eine Lounge-Atmosphäre, die auch einen Regenschauer überlebt?

Eine stilvolle Lounge-Atmosphäre im Garten zu schaffen, ist das eine. Sie so zu gestalten, dass sie nicht nur gut aussieht, sondern auch den Unbilden des Wetters trotzt, ist die eigentliche Kunst. Langlebigkeit ist hier das Fundament von wahrer Ästhetik. Eine Lounge, die einen Regenschauer oder eine intensive Sonnensaison überlebt, basiert auf den technischen Kenntnissen, die wir in den vorherigen Abschnitten erarbeitet haben. Es geht darum, bewusst die richtigen Komponenten auszuwählen.

Der erste Schritt ist die Wahl des soliden Grundgerüsts. Entscheiden Sie sich für Möbel mit einem nachweislich nicht-magnetischen Aluminiumrahmen, um Rost von vornherein auszuschliessen. Kombinieren Sie dies mit einem hochwertigen, massiven Rundgeflecht aus HDPE, das der UV-Strahlung über viele Jahre standhält. Achten Sie bei Tischen auf die entscheidenden Abstandshalter unter der Glasplatte, um Hitzeschäden zu vermeiden. Diese Entscheidungen beim Kauf legen den Grundstein für eine Sitzerlebnis, das auch nach mehreren Sommern noch Freude bereitet.

Der zweite Aspekt ist der intelligente Schutz. Dazu gehören nicht nur die richtigen Möbel, sondern auch die passenden Polster und die korrekte Lagerung. Investieren Sie in Polster mit schnelltrocknendem Schaumstoff („Quick-Dry-Foam“) und wasserabweisenden, aber atmungsaktiven Bezügen. Für den Schutz ausserhalb der Saison ist eine atmungsaktive Schutzhülle, die Kondenswasser vermeidet, unerlässlich. Eine Lounge, die einen Regenschauer überlebt, ist also eine, bei der die Kissen nach kurzer Zeit wieder trocken sind und das Gestell darunter nicht leidet. Die Kombination aus wetterfesten Materialien und durchdachtem Schutz macht den Unterschied zwischen einer kurzlebigen Dekoration und einer nachhaltigen Wohlfühloase aus.

Beginnen Sie noch heute damit, Gartenmöbel mit dem geschulten Auge eines Technikers zu betrachten. Setzen Sie dieses Wissen bei Ihrem nächsten Kauf ein, um eine Lounge zu schaffen, die nicht nur stilvoll ist, sondern deren Qualität Sie über viele Jahre hinweg geniessen können.

Geschrieben von Markus Klein, Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur mit Spezialisierung auf urbane Gärten und Terrassengestaltung. Experte für Outdoor-Materialien, Bepflanzungspläne und wetterfeste Ausstattung.